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Oper

Der Kaiser von Atlantis/ Das Wundertheater

Spiel in einem Akt von Victor Ullmann und Peter Kien Oper von Hans Werner Henze nach einem Intermezzo von Miguel de Cervantes

Die Welt spielt verrückt

Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung 

Der größenwahnsinnig-tyrannische Kaiser Overall stürzt die ganze Welt in einen sinnlosen Krieg. Doch als der Tod ihm die Gefolgschaft verweigert, ziehen die Soldaten ins Feld und kämpfen mit dem Leben, da niemand mehr sterben kann. Das Land versinkt im Chaos. Wahnsinnig geworden, fleht der Kaiser den Tod an, ins Amt zurückzukehren. Willigt jener ein?

Der Schönberg-Schüler Viktor Ullmann schrieb die beißende Satire auf die politische Situation im Dritten Reich gemeinsam mit Peter Kien 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt. Ullmanns Werk zeichnet eine auffallende Stilvielfalt aus: Neben lyrischen Arien stehen Jazzklänge und Tanzmusik der 1920er und 30er Jahre sowie Volksweisen, Choräle und atonale Zwölftontechnik.

Das Wundertheater

Theaterdirektor Chanfalla kündigt ein wunderbares Spektakel an, das aber nur jene sehen können, die einen christlichen Lebenswandel führen oder in rechtmäßiger Ehe gezeugt wurden. Chanfalla erklärt, was gespielt wird, und das Publikum tobt – tatsächlich ist auf der Bühne jedoch nichts zu sehen. Als dies ein Soldat bemerkt, beginnt eine Hetzjagd auf den vermeintlich schlechten Christen.

Hans Werner Henze setzt den Witz seines Stoffes nach Miguel de Cervantes eindrucksvoll in Musik um, indem er tänzerische Leichtigkeit mit rauschhaften Tonmalereien kontrastiert. Sprech- und Musiktheater bilden eine Einheit, die richtungsweisend für die Entwicklung der Oper in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sein sollte.