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Schauspiel

Antigone

Schauspiel nach Sophokles, Euripides, Aischylos und den Stücken „Sieben gegen Theben“, „Die Phönizierinnen“ und „Antigone“

In einer Bearbeitung von John von Düffel
Interlinear-Übersetzung: Gregor Schreiner

Die thebanische Königsfamilie ist mit einem Fluch belegt, der in jeder Generation zu neuer Gewalt führt: Nun treten die vier Kinder des Vatermörders und Muttergatten Ödipus – neben den Schwestern Antigone und Ismene auch die Brüder Eteokles und Polyneikes – ein schweres Erbe an. Vor einiger Zeit hatte man sich noch darauf geeinigt, dass sich Ödipus‘ Söhne die Herrschaft über Theben teilen sollten. Nun ist alles anders: Der vertriebene Polyneikes steht mit einer übermächtigen Streitmacht vor den Toren Thebens und fordert Eteokles heraus, der die Alleinherrschaft nicht abgeben will. Ein Opfer verhindert zwar den Krieg und die Zerstörung der Stadt, nicht aber den Tod beider Brüder, die sich im Zweikampf gegenseitig umbringen.

Ödipus‘ Schwager Kreon, auf den die Königswürde nun übergeht, könnte die Stadt befrieden, sät aber weitere Zwietracht. So ordnet er an, dass allein Eteokles mit allen Ehren begraben werden darf; die Leiche des ‚Verräters‘ Polyneikes dagegen bei Androhung der Todesstrafe unbestattet bleiben muss. Doch das kann Antigone nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren: Für sie ist das göttliche Gesetz, dass man alle Toten begraben muss, um ihnen den Eintritt in die Unterwelt zu ermöglichen, mehr wert als das von Kreon erlassene Gebot. Sie handelt. Und Kreon, der vom Ungehorsam seiner Nichte erfährt, steht vor einem Dilemma: Darf und muss er Antigone, die Braut seines Sohnes Haimon, für ihren Ungehorsam töten oder kann er sich ihrer Argumentation anschließen?

Ungeheuerlich, mit welcher Wucht uns der vor rund 2400 Jahren entstandene griechische Mythos auch heute noch begegnet. Im Spannungsfeld zwischen Götterfluch und Menschenfrevel, Recht und Ungerechtigkeit, Befehl und Ungehorsam, Individuum und Staat entrollt sich eine menschliche Tragödie von zeitloser Gültigkeit, die mühelos die Jahrtausende überspringt und uns auch heute noch direkt ins Mark trifft.