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"Pension Schöller" - Pressestimmen

Pforzheimer Zeitung

Montag, 5. November 2018

Wahnsinn! Aus Irrsinn wird Irrwitz und aus einer Erfolgskomödie wird eine rasante Comedy-Show. Wer bei „Pension Schöller“ an harmlose Unterhaltung mit routiniert provozierten Lachern dachte, dessen Befürchtungen trafen bei der Premiere im Stadttheater nicht ein. Miguel Abrantes Ostrowski hat das Lustspiel aus dem Jahr 1890 in seiner Inszenierung gegen den Strich und alles bekannt Traditionelle gebürstet. Und die seriöse Familienpension aus Berlin hat sich irgendwie in die Sendung mit der Maus verirrt. Das ist ungewohnt, kam beim comedy-affinen Teil des Premierenpublikums aber sehr gut an.

(...) Die auf neun Personen gestraffte Besetzung ist nicht durch innere Entwicklung charakterisiert, sondern äußerlich, mit Stilmitteln der Commedia dell’Arte: exaltiert-personifizierte Kostüme (Cátia Palminha), übersteigerte, fast formelhafte Körpersprache mit viel Bewegung und hohem Wiedererkennungswert. Der Text ist aufgepeppt mit einer unerschöpflichen Zitatflut aus Filmtiteln, Liedtexten, Sprichwörtern, Werbebotschaften, dummen und gescheiten Sprüchen, Sinn und Unsinn.

Der irrwitzige Ritt durch Slapstick und Stegreifkomödie, Klamotte und Comedy, kurz allem, was mit Theater- und Fernsehspaß in Verbindung gebracht werden kann, bespielt ein Op-Art-Bühnenbild (Maximilian Lindner) mit einer Unzahl von großen und kleinen Türen und Fenstern, die sich geräuschintensiv öffnen und schließen (Live-Geräusche Enes Sahin). Sie sind ein wichtiges Stilmittel im genau getakteten und choreographierten Ablauf, dessen Spannung das in vollendetem Einklang und hochmotiviert aufspielende Ensemble bis zum Schluss durchhält, ja sogar steigert. (...)

Wer ist nun normal, wer irre? Der an Käpt’n Blaubär erinnernde Philipp Klapproth von Jens Peter, der mit seiner beeindruckenden Sprachkultur Struktur in die ganze Sache bringt? Seine kugelig-runde, unglaublich knautschbare Schwester Ida, die Katja Thiele als liebenswerte, etwas überdrehte Clownin zeichnet? Oder der Löwenjäger Professor Bernhardy, den Thomas Cermak als trotteligen, aber trotzdem begehrenswerten Hasenfuß gibt?
Dem Neffen Alfred Klapproth (Bernhard Meindl), eine in die Länge gezogene Comicfigur mit verklemmten, roboterhaften Bewegungen, nimmt man den Verlierer auf den ersten Blick ab. Er verliebt sich in Franzi Schöller, in der Mira Huber Klimbim-Ikone Ingrid Steeger wiederauferstehen lässt.
Lars Fabian als Vater Schöller erinnert an ZDF-Moderator Dieter Thomas Heck. Eine Nummer für sich die Schriftstellerin Josephine Zillertal (Konstanze Fischer) mit Lackschwänzchen, Bienenkorbfrisur und schwingenden Hängebrüsten (der Humor, ist gelegentlich etwas deftig). Einen talentfreien, aber unverdrossenen Möchtegernschauspieler mit Sprachfehler mimt Sebastian Griegel als Eugen Schöller. Ein skurriler Höhepunkt ist Klaus Geber als frühpensionierter Major a. D. v. Mühlen, der in einer Welt vermeintlich gewonnener Piff-Paff-Schlachten lebt.

Die temporeiche, originelle Inszenierung von Ostrowski, der als Komödienspezialist gilt, ist durch und durch stimmig und wird vom Ensemble konzentriert und mit viel Spaß an der Sache mitgetragen. Ein Glanzstück für Freunde von Comedy-Shows, allen anderen sei gesagt: Widerstand sinnlos, lachen Sie mit! 
 

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 5. November 2018

Ein bisschen „Klimbim“ darf sein. Mit flotten Soldaten- und Seemannsliedern („Wir lagen vor Mascarpone“) rumpelt der verlorenen Schlachten nachtrauernde Frikadellenkapitän a. D. wie der Weiland als militanter Opa durch die Klamaukserie polternde Wichard von Roëll über die Bühne und planiert mit dem Panzer die „Pension Schöller“ platt wie mit einer Dampfwalze, so dass von der alten Komödie im Theater Pforzheim nicht viel mehr als ein großer Klamauk bleibt, dem sich die Zuschauer freudig in die Arme werfen. (...)

orum geht’s? Der wohlhabende Philipp Klapproth will in Berlin so richtig was erleben. Sein Neffe Alfred Klapproth ist, wie alle Neffen, knapp bei Kasse und deshalb – gegen entsprechende Unterstützung für sein zu eröffnendes Café – bereit, den exzentrischen Wunsch zu erfüllen. Der Onkel will in einer Irrenanstalt mal wirklich Verrückte erleben. Alfred führt ihn in die „Pension Schöller“, deren skurrile Bewohner der Onkel für Verrückte hält. 
Laufs und Jacoby stellten die Welt auf den Kopf. Verwischt ist die Grenze zwischen Wahnsinn und Normalität. Wer die Verrückten sind, ist nur eine Frage der Perspektive.

Pension Schöller“ ist keine moralisierende Farce à la Feydeau und Labiche, sondern ein derber Faschingskracher, den Regisseur Miguel Abrantes Ostrowski zur noch derberen Trash-Komödie ergänzt und fortgeschrieben hat, wobei die Schauspieler vermutlich einbringen konnten, was ihnen in den Sinn kam. Das ist vielfach ganz herrlich blöde, wenn sich der x-beinig staksende, die Maus-Melodie trötende Bernhard Meindl als Alfred und Mira Huber als geilfrecher, bärtiger Ingrid-Steeger-Verschnitt Franzi mit Schlagertexten in ein gesprochenes Duett verspinnen und sich Philipps Schwester und die Dichterin als handfeste Trinkerinnen begegnen („Wo früher meine Leber war, ist heute eine Minibar“). (...)