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"Faust II" - Pressestimmen

"Pforzheimer Zeitung"

Samstag, 29.2.2020

"Der suchende Wissenschaftler, der nach reinigendem Heilschlaf am kaiserlichen Hof mit betrügerischen Manipulationen zu einem Protagonisten der Moderne wird, wandelt auf seiner Reife-Wanderung durch Kulturen und Epochen seinen positiven Kenntnisdrang in gefährliches Machtstreben. Sein Finanz-Bluff wird die Grundlage für eine Karriere, die zielstrebig ins Verderben führt.
Fausts delirierende Vision einer besseren Welt „auf freiem Grund mit freiem Volke“ bedeutet Tod und Krieg. Er stirbt als verblendeter Sünder – und wird doch im mystischen Finale gerettet. Mephistos Plan scheitert an der Gnade Gottes."

"Münstermann, der das stark gekürzte und doch einigen Stellen immer noch zerdehnte Werk als buntes Bildertheater und anschauliche Stationenrevue arrangiert hat, nimmt gelegentliche Rätsel der szenischen Umsetzung in Kauf und setzt auf die Magie der großartigen Sprache und die assoziative Kraft der Schlaglichter, Episoden und optischen Pointen, in denen sich die Geschichte der Hauptfiguren als eine illustrierte Enzyklopädie erzählt."

"Höhepunkte des Abends sind denn auch die dreiste Finanz-Gaukelei am Kaiserhof, die futuristischen Szenen mit der Retortenfigur Homunculus, die surrealen Szenen der klassischen Walpurgisnacht, die zentrale Begegnung zwischen Helena und Faust und die zeitlos anmutenden Momente eifernder Eroberungsgelüste mit ihren Folgen im traurigen Schicksal des vertriebenen Greisenpaares Philemon und Baucis sowie Fausts rauschhaftes Schattenbild aus eigener wahnhafter Vorstellung. Hier gelingen der Aufführung suggestive Bilder – bis hin zu den Ausblicken auf die schreckliche Zerstörung Pforzheims durch Bombenangriffe vor genau 75 Jahren, die als aktueller Kommentar zu Fausts überhitzter Utopie den Abend zu einer mahnenden Anklage gegen den Krieg machen."

"... die Aufführung unterbreitet eine plausible, nachdenkenswerte Deutung, der das Publikum in der Premiere mit großer Zustimmung folgte."

Rüdiger Krohn

"Badische Neueste Nachrichten"

Samstag, 29. Februar 2020

„Wiedersehen.“ Hat Mephisto das wirklich gesagt, als er sich hastig verabschiedete? Faust ist erlöst, seine Seele dem Teufel entgangen. Aber das Böse ist nicht aus der Welt. Mephistos possenhafter letzter Auftritt in der „Grablegung“ – am Theater Pforzheim dient er zum Gedenken und zur Mahnung. Denn der zweite Teil der „Faust“-Tragödie thematisiert auch totalitäre Fantasien, aus heutiger Sicht gleichsam vorausweisend auf die größenwahnsinnigen Ziele der Nationalsozialisten, die Deutschland und ganz Europa in Krieg und Untergang führten. In Pforzheim entfaltet die Inszenierung von „Faust II“ besondere Symbolwirkung, wurde die Stadt doch vor fast genau 75 Jahren, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, von Bomben weitgehend zerstört. "

"Die Pforzheimer Fassung, an welcher der Verein „Kultur Schaffer“ beteiligt ist, kommt mit drei Stunden und 15 Minuten aus und streift mit extrem komprimiertem Text fast alle Stationen der epochenübergreifenden, weltumspannenden Reise, auf welcher der Sinnsucher Faust zwischen Realität und Fantasie umhertaumelt. Figuren aus der griechischen Mythologie, ein künstlicher Mensch aus dem Labor, Kriegsführung, Naturbeherrschung, Weltherrschaft – von allem ein bisschen.

"... Mephisto, wie bereits im Pforzheimer „Faust I“ gespielt von Jens Peter, führt wie ein Moderator teuflisch geschmeidig durch den bunten Abend. Ihm gelingen Momente echter Reibung mit Faust, verkörpert von Lars Fabian – einem der fünf Faust-Darsteller aus Teil eins ...".

Sibylle Orgeldinger