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Pforzheimer Zeitung

Montag, 13. Februar 2017

Wir schreiben das Jahr 2050. Die heute aktive Schauspielergarde des Theaters Pforzheim hat entweder schon das Zeitliche gesegnet oder fristet ihr Gnadenbrot in einem wenig anheimelnden Altersheim. (...)

Gespielt wird von der siebenköpfigen Truppe ganz vorne an der Rampe, immer auf Tuchfühlung mit den Zuschauern, denen in der Abfolge von schön-skurrilen Gesangsnummern wenig Zeit zum Verschnaufen bleibt. Gassenhauer aus der Zeit der Jugend und Blüte der geriatrischen Schauspielerriege reiht sich an Gassenhauer, dank derer sich die in die Jahre gekommenen Akteure mit – ihren reichlich geschundenen – Händen und Füßen gegen die passive Vorhölle des Todes wehren.

Zynisch eröffnet wird der Songreigen denn auch von Schwester Jula (Jula Zangger), die mit einem dümmlichen Mitmachlied zur Senioren-Animation aufwartet. Dem kann die vergnügungssüchtige Truppe aber so gar nichts abgewinnen, um dann um so resoluter das Heft selbst in die Hand zu nehmen – ihrer Jugend und dem Leben wird auf recht deftige Weise gehuldigt. (...) - die Alten singen, was das Zeug hält, am Flügel bei der Stange gehalten von Herrn Herzer (Markus Herzer).

Auch geflirtet wird heftig. Frau Huynen (Lilian Huynen) und Altrocker Herr Bode (Tobias Bode) samt Herrn Besta (Robert Besta) tun sich in Sachen Altersgeilheit besonders hervor. Selbst vor deftigen Fürzen, zwecks körperlichen Wohlbefinden, wird nicht zurückgeschreckt – zur allgemeinen Erheiterung im Zuschauerraum. Slapstick à la Laurel & und Hardy machen aus der Bühne ein vor Lebensfreude flirrendes Irrenhaus, mit einem Klaus Geber als überzeugendem Grandseigneur im Tattergreisen-Alter.

Besonders gelungen als ruhender, nach innen gekehrter Kontrast bei all dem Klamauk, das „All by myself“ (Eric Carmen), butterweich vorgetragen von Theresa Martini. Und: natürlich (...) "Forever Young": Lilian Huynen weiß genau, wie sie mit ihrer knarzigen Stimme den titelgebenden Song mit viel Gefühl in Szene setzt.

Schöner Regieeinfall von Alexander May: Nach den Worten „auf der ganzen Welt sind alles Spieler, sie treten auf und alle ab“ – das Transparent „Theater muss sein“ auf der Bühne, ein kaum verhohlener Appell auch für den Erhalt des Pforzheimer Theaters. Passend dazu selbstredend auch das „I will survive“, als die mit allerlei Todesbeschwörungen – zu Cembaloklängen! – den Alten die Lebensfreude vergällende Schwester Jula erschossen wird.

Tosender Applaus und stehende Ovationen beenden den Premierenabend für ein Stück, welches in dieser Inszenierung das Zeug dazu hat, auch in der Goldstadt ein Publikumsmagnet zu werden. Und weil’s so schön war: Einige Gesangsnummern – samt Polonaise – gleich noch obendrauf.

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 13. Februar 2017

In der Inszenierung von Alexander May verwandeln sich sechs Darsteller in gebrechliche alte Menschen, die das Theater Pforzheim zur Seniorenresidenz erklären. Betreut von Schwester Jula (Jula Zangger) werden sie charmant-respektlos auf ihr unweigerliches Ende eingestimmt. Die Rentnergang unter der musikalischen Leitung von Markus Herzer am Klavier lässt sich jedoch nicht einschüchtern. Mit derbem Humor wehren sie sich gegen das Ableben und den Freiheitsentzug. Dazu präsentieren sie am laufenden Band Hits wie „I Will Survive“, „Sexbomb“ oder „I Love Rock ’n’ Roll“.

(...) Eine massive Metallwand trennt die Residenzbewohner von der Außenwelt. Davor sind Attribute des Vergangenen versammelt: Staubige Teppiche, alte Sofas, Stehlampen, ein Nierentisch. Hierzu passen die Kostüme der Protagonisten aus unmodischen Woll- und Felljäckchen oder geschmacklos kombinierten Tennissocken (Ausstattung David Gonter). Die Handlung des Abends wird maßgeblich über die Musik getragen. (...) Die heiter-mitreißende Nummern-Revue wird hierzu meist nur kurz unterbrochen: Herr Besta (Robert Besta) reißt bei einem Zaubertrick seiner Frau Martini (Theresa Martini) die Perücke vom Haar. Mit einem von dünnem Flaum bedeckten Schädel blickt diese peinlich berührt ins Publikum. Die dramatische Verhandlung durch das gesprochene Wort bleibt jedoch aus, stattdessen folgt eine emotionale Ballade über das Altern.

Frau Huynen (Lilian Huynen) schräger Monolog über ihre Jugendexzesse und Intimpiericings trifft wohl nicht so ganz die Erlebniswelt des Pforzheimer Publikums. Ihre anschließende Interpretation des Piaf Klassikers „Non, je ne regrette rien“ wird hingegen zurecht mit Begeisterung goutiert. Herr Geber (Klaus Geber) sticht ebenfalls heraus. Seine Darstellung des greisen, schwerhörigen Gentlemans mit Tremor überzeugt bis ins Detail. Ebenso sympathisch charakterisiert Tobias Bode seine Rolle des alt gewordenen Rocker-Schwerenöters mit Rollator.

Das Songdrama bietet in der Anlage wichtige gesellschaftliche Themen, die durch die Auswahl diverser musikalischer Hits zwar wenig intensiv verhandelt werden können. Jedoch zieht die liebevoll-humorige Darstellung der Rentnergang die Zuschauer in ihren Bann, die Rock- und Popsongs laden zum Mitsingen ein. Und so hat „Ewig jung“ das Zeug dazu, zum unterhaltsamen Publikumsliebling der Saison zu avancieren.