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Nipple Jesus - Pressestimmen

"Pforzheimer Zeitung"

"Unter der umsichtigen, nie zerfasernden Führung von Regisseur Vincent Wojdacki füllt das neue Ensemble-Mitglied Timon Schleheck die Rolle des Dave mit vielen Ausrufezeichen. Er zeichnet ihn als grundehrlichen, authentischen, schnoddrigen Typen mit lebhafter Fantasie und gesundem Menschenverstand. Frei nach Schnauze, in derbe-deftigen Worten und mit kindlich-naiver Begeisterungsfähigkeit schildert er den Theater-Besuchern seine Erlebnisse. Es sind schräge, skurrile Beobachtungen und Begegnungen mit dem Spinner, dem Pfarrer oder der Politikerin. Dave stellt sich ihnen in den Weg und erfindet Regeln: „Knien ist hier nicht erlaubt! Beten auch nicht!“ Doch ausgerechnet während er einen Eierwerfer zum Ausgang komplimentiert, fällt „sein“ Exponat einem Anschlag zum Opfer: der „Nipple Jesus“ – total demoliert."

"Die erheiternde Kunstkritik vom Mann auf der Straße bietet so manche erfrischende Erkenntnis. Schleheck schafft es in der auf anspruchsvolle Art unterhaltsamen Inszenierung, das Kopfkino anzukurbeln. Er spricht das Publikum direkt an, das den gut 45-minütigen, intimen Austausch mit langem Applaus honoriert. Das Podium bleibt eine Art Black Box: Allein gestisch und mimisch liefert der Darsteller eine raumfüllende, starke Leistung in einem nicht existenten Bühnenbild."

"Das Stück entlarvt oberflächliches Getue in der Kunstszene auf humorvolle Weise. Dave fühlt sich missbraucht und instrumentalisiert: Verliert Kunst um der kalkulierten Provokation Willen ihre Bedeutung? Oder ist sie dann keinen Deut besser als die Gesellschaft, die sie provozieren will?"

"Für den Ex-Rausschmeißer war es der „Nipple Jesus“, der ihn dazu gebracht hat, sich zu positionieren, durch seine Interaktion das Erleben der Museumsbesucher zu beeinflussen. So thematisiert das Stück auch Kunst und Kommunikation und den subjektiven Blick, den wir pflegen müssen – ob spießig-empört oder angeregt-begeistert. Eine Botschaft von Wojdackis Inszenierung: Um Haltung zu beziehen, braucht es Kunst und Kultur. Und es braucht Toleranz und Auseinandersetzung, denn es sind Perspektiven und Beziehungen, die eine Meinung erst entstehen lassen."

"Kunst kann einerseits beflügeln und inspirieren, aber auch Empfindungen verletzen. Es gehört zu einem freiheitlichen Diskurs, das auszuhalten. Dass diese so wichtigen, spannenden, anregenden Diskurse auf deutschen Bühnen in den kommenden Wochen nicht mehr stattfinden können, verleiht der Premiere eine tragische Note."

Michael Müller

"Badische Neueste Nachrichten"

"Kurz nach seinen Erfolgen mit „High Fidelity“ und „About a Boy“, die ihn zum Shooting Star der neuen britischen Popliteratur machten, gab Nick Hornby eine Sammlung von zwölf Kurzgeschichten heraus, zu der er Daves Erzählung über die Brustwarzen-Collage von „Nipple Jesus“ beisteuerte, dessen gewitzte Betrachtung des Kunstmarktes in der Übersetzung von Clara Drechsler und Harald Hellmann seit 2004 auch auf deutschen Bühnen funktioniert."

"Nun im Podium des Pforzheimer Theaters, wo Intendant Thomas Münstermann vor Beginn angesichts des neuerlichen Lockdowns neben der äußeren auch eine „innere Hygiene“ anmahnte und die Enttäuschung und Wut des gesamten Ensembles artikulierte."

"„Nipple Jesus, Monologstück, witzig“ bringt es Timon Schleheck nach knapp einer Stunde auf den Punkt. Vom ungebildeten Rausschmeißer zum Verteidiger skandalträchtiger Moderne: Hornby hat das federleicht und schnoddrig hingeworfen und bietet kluges Spielmaterial, das Schleheck unter Anleitung von Vincent Wojdacki im schwarzen Raum glänzend und ohne Schnickschnack umsetzt. Mit tapsiger Bulligkeit und Verunsicherung, immer mit einem gepresst nervösen Lacher und immer auf dem Sprung. Langsam dann selbstbewusster, auch begeisterter und vor allem mit Stolz auf seinen Raum und sein Bild, das er mit Eloquenz und Charme bewacht. Und liebevoller. Dave und Schleheck wachsen geradezu. Dave kann aber die Zerstörung des Bildes nicht verhindern, als er in alter Türstehermanier einen Angreifer in die Flucht schlägt. Er ist niedergeschmettert. Nicht ahnend, dass er und die bewusst provozierten Spinner auf Video festgehalten und als Teil eines inszenierten Konzeptes benutzt wurden.

Jetzt schaut Dave nur noch von fern auf den Skandalraum. Sein Blick auf die Kunst dürfte sich in jeder Hinsicht verändert haben." 

Nikolaus Schmidt