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"Für immer schön" - Pressestimmen

Pforzheimer Zeitung

Montag, 11. Februar 2019

Vorwärts – lächeln – Showtime!“ Mit dieser Selbstmotivation stürzt sich Kosmetikverkäuferin Cookie Close mit ihrem Rollkoffer auf die Straßen einer amerikanischen Vorstadt, um Schönheit von Haus zu Haus zu bringen. Doch Cookie kommt in die Jahre, und die Umsatzzahlen sinken. Der US-Dramatiker und Drehbuchautor Noah Haidle schrieb „Für immer schön“ 2017 für das Nationaltheater Mannheim. Im ausverkauften Podium des Theaters Pforzheim wurde die Premiere am Samstagabend begeistert gefeiert. Für Cookie Close ist ihr Job eine religiös unterfütterte Mission. Ihre Produkte sollen den Frauen helfen, ihre Schönheit als Ebenbild Gottes zu zeigen. Dafür ist sie bereit, weiterzumachen. Dafür setzt sie sich mit Klauen und Zähnen ein. (...)

Schauspielchef Hannes Hametner hat für seine Inszenierung des Stückes mit Seitenblick auf die schrägen Filme der Coen-Brüder drastische Bilder und ausgefeilte Choreografien gewählt. Das Drama spult sich auf einem kühl gehaltenen Catwalk mit Drehtür ab (Bühne: Jörg Brombacher), die Kostüme (Mareile von Stritzky) sind gleichermaßen alltagstauglich wie karikierend.

Die rosarote Kosmetik-Kitsch-Idylle kontrastiert scharf mit mehreren erbitterten Damen-Scharmützeln in Zeitlupe zwischen Cookie (Susanne Schäfer) und ihrer jüngeren Konkurrentin Heather (Konstanze Fischer). Tochter Dawn (Sophie Lochmann) stirbt einen bestürzenden Heroin-Tod. Der junge, coole Dan (Bernhard Meindl) verwandelt sich in einen enttäuschten Vorstadtspießer, seine Frau Heather hat mit dem Ehemann auch ihr Lebensziel erreicht. Ihre letzte Auseinandersetzung hat Cookie mit einer bewaffneten Schlampe (Katja Thiele in einer Doppelrolle), die symptomatisch für ihren Abstieg steht.

Das Stück könnte zur „One-Woman-Show“ werden. In Hametners ausgewogener Regie gewinnt das Ensemble um die Hauptperson aber Profil und Gewicht, was die Konturen von Cookie sogar eher noch schärft. Diese wird von der grandiosen Susanne Schäfer mit hochkonzentrierter Präsenz und Spannung verkörpert. Bedrückend intensiv Sophie Lochmann als schüchterne, unsichere Tochter Dawn. Konstanze Fischer zeichnet Heather als typisch überkandidelte Amerikanerin, zwei skurrile Rollen hat Katja Thiele. Bernhard Meindl, der einzige Mann, zeichnet Dan als schwachen Menschen, der an seinem Unvermögen, sich behaupten zu können, zugrunde geht. Fazit: unbedingt sehenswert.

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 11. Februar 2019

„It’s Showtime!“ Mit diesem Schlachtruf bringt sich Cookie Close immer wieder in Positur für ihrem Kampf ums Überleben und gegen den Abstieg. Sie ist die traurige Heldin in Noah Haidles Stück „Für immer schön“, das den amerikanischen Traum von der Unbesiegbarkeit des positiven Denkens zur tragischen Groteske umdeutet. Am Theater Pforzheim hat Schauspielchef Hannes Hametner das Werk jetzt im „Podium“ inszeniert. (...)

Auch Cookie kann ihren Verfall nicht aufhalten. Als alternde Haustür-Verkäuferin von Kosmetik-Artikeln ist dieser Prozess besonders schmerzlich, folgt sie doch der trügerischen Überzeugung, dass sie durch verzehrenden Einsatz und unbeirrbaren Optimismus den Weg nach unten aufhalten könne. Hierin ist sie dem scheiternden „Handlungsreisenden“ in Arthur Millers Drama nicht unähnlich.(...)

Die Beauty-Produkte, so verkündet Cookie immer wieder als ehernes Credo, verdecken keine Makel, sondern bringen die ideale Erscheinung des Körpers zum Vorschein, so wie Gott ihn gewollt hat. Durch ihr Geschäft sieht Cookie sich im Dienste Gottes, der die Menschen nach seinem Bilde schuf und dem sie nun unterstützend beispringt. In diesem höheren Streben hinterlässt sie in eifernder Betriebsblindheit beschädigte Opfer ihrer Rücksichtslosigkeit: die jüngere Kollegin und Rivalin Heather, mit deren späterem Mann sie ein Kind zeugt, die Witwe Vera, der sie einst den Gatten weggenommen hat, den arglosen Dan, den sie sexuell und menschlich ausbeutet, aber auch die heranwachsende Tochter, die sie hoffnungsvoll Dawn (Sonnenaufgang) nennt und doch mit brutalem Erfolgsdruck in den Drogentod treibt.

All diese Schicksalsschläge durchläuft Cookie nach dem Willen des Autors in einer absurden Zeitspanne von „einem langen Sommertag und dreißig Jahren“ – ein dramaturgischer Kniff, der die Handlung radikal rafft und den Untergang der Heldin auf den Punkt bringt. (...)

Die Pforzheimer Aufführung findet auf einem Laufsteg quer durch das „Podium“ statt – eine glückliche Idee des Bühnenbildners Jörg Brombacher, die den symbolhaften Charakter des Geschehens unterstreicht. Regisseur Hametner nutzt geschickt die unterschiedlichen Spielebenen von grotesk verzerrter Verfremdung und realistischer Härte, auf denen Cookies Leben in einer raschen Abfolge von Begegnungen mit ihren Opfern abgehandelt wird. Im Mittelpunkt des Abends steht Susanne Schäfer, die als Beauty-Ikone wie eine schrille Mutter Courage des US-Systems mit pinkfarbenem Kostüm (Mareile von Stritzky) und adrettem Rollköfferchen ihre akkuraten Bahnen zieht und nur sehr allmählich ihre Verschleißspuren offenbart. Schäfer macht daraus eine sorgfältig abgestufte Studie, die erst am Ende den Schwächen des Stückes erliegt und in melodramatische Breite ausufert. Die übrigen Figuren leisten vornehmlich illustrierende Hilfsdienste für die Protagonistin. Konstanze Fischer ist eine verhärmte Heather, Katja Thiele markiert als verletzte Vera ihren Groll mit reichlich dicken Konturen und ist als „Frau mit Schrotflinte“ in ihrer letzten Auseinandersetzung mit Cookie eine allzu grelle Charge, Bernhard Meindl bleibt als überforderter Dan zu Recht unauffällig, und lediglich Sophie Lochmann kann als unglückliche Dawn nachhaltige, anrührende Akzente setzen. Mit ihrem „goldenen Schuss“ zieht sie die nachlassende Spannung des Abends noch einmal nach oben, ehe er in überdehnter Ausführlichkeit endet. Starker Beifall des Publikum für ein packendes Stück, seine solide Einstudierung und ein insgesamt überzeugendes Ensemble.