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"Der goldne Topf" - Pressestimmen

"Pforzheimer Zeitung"

Montag, 2. März 2020

"Lang anhaltender Beifall für einen mit großer Spielfreude präsentierten Klassiker: Am Samstagabend hatte im ausverkauften Podium E.T.A. Hoffmanns „Der Goldne Topf“ in der Fassung von Jan Müller (Regie und Ausstattung) Premiere. Es ist seine erste Arbeit fürs Theater Pforzheim."

"E.T.A. Hoffmann gilt als moderner Vertreter der deutschen Romantik. Seine Novelle aus dem Jahr 1814 enthält märchenhafte und mythologische Elemente. Die Pforzheimer Interpretation ist eine surreale, bisweilen schräge Reise in die Welten magischer Kräfte und Geister. Im Gegensatz zu anderen Inszenierungen, die die Liebe zu zwei Frauen betonen oder auf Multimediales setzen, konzentriert sich Jan Müller auf die Darstellung des Bürgerlichen auf der einen Seite sowie dem Pfad des Abenteuers, der Fantasie auf der anderen. Oben/unten, hinten/vorne, durchsichtige und spiegelnde Flächen – das Bühnenbild visualisiert die inhaltlichen Ebenen. Mitunter scheint sich in diesem Spiel mit Sphären, Traumbildern und der Imagination die Trennung zwischen den Welten aufzuheben."

"Jan Müllers Ansatz wirft aktuell deutbare Fragen auf: Was führt zu Glück im Leben? Soll ich mich auf eine vermeintliche materielle Sicherheit verlassen, oder schlage ich einen anderen Weg der Kreativität und Poesie ein? Das Stück will irritieren, auch verwirren und dazu auffordern, anderen mit einem offeneren, toleranteren Blick zu begegnen. Auch die Frage nach dem eigenen Ich ist umso dringender in einer Zeit, in der es immer schwerer wird, seiner selbst klar zu werden, obgleich es theoretisch noch nie so viele Möglichkeiten zur Selbstentfaltung gab."

Michael Müller

"Badische Neueste Nachrichten"

Montag, 2. März 2020

"Zwar setzt die geschickt pointierte Regie die Kontraste zwischen der Zauberwelt um den verhexten Archivarius und seine schillernde Tochter Serpentina auf der einen und der nüchternen Sphäre um den wackeren Spießbürger Paulmann und die pragmatische Veronika auf der anderen Seite wirkungsvoll um."

Im Spannungsfeld von prosaischer und fantastischer Ebene hat der Abend in der skurrilen Ausstattung (ebenfalls Jan Müller) seine Höhepunkte vielmehr in den Szenen vordergründiger Dramatik oder farbiger Vitalität – etwa im Kampf mit der „Alten“, beim Besuch des Studenten im Zauberheim des Archivarius oder im „orientalischen Schwulst“ der Erzählung über die rätselhafte Feuerlilie. Hier entfalten die fünf Darsteller, die sich in alle Rollen teilen, ein ansteckende Spielfreude und komödiantische Laune, die durch eingefügte Extempores und Texte etwa über die Urgeschichte der Reptilien noch genährt werden."

"Im engagiert aufspielenden Ensemble tun sich Nicolas Martin als zwischen scheuer Ballerina und derbem Kraftkerl changierender Anselmus und Nika Wanderer als dämonisch glitzernde, auch sprachlich prägnante Serpentina nachhaltig hervor. Was bleibt, ist ein effektvoll aufpolierter, theatralisch ergiebiger „Topf“ ... "

Rüdiger Krohn