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"Cordiers Spuren" - Pressestimmen

Pforzheimer Zeitung

Montag, 3. Juni 2019

(...) Marc Pommerening, Studienkollege von Oberspielleiter Hannes Hametner, wurde auf die Cordianer durch das Buch „Deutschland, eine Reise“ von Wolfgang Büscher aufmerksam. Für das Stück, ein Auftragswerk, das mit Unterstützung der Sparkasse Pforzheim Calw realisiert werden konnte, recherchierte er ein dreiviertel Jahr in Pforzheim. (...)

(...) Pommerening hat einen deklamatorischen, fast altertümlich wirkenden Sprachstil gewählt, der die Texte einprägsam macht. Fünf Schauspieler, Steffi Baur, Sophie Lochmann, Jens Peter, Bernhard Meindl und Lars Fabian, schlüpfen in eine Vielzahl von Rollen, von den Geistlichen in Pforzheim über die Cordianer und die britischen Soldaten auf den Falklandinseln zu den Indianern, auf die die Deutschen in einer Art „culture clash“ treffen, und zeigen dabei alle Spielfreude und große Wandlungsfähigkeit. Auch oder gerade in den als Stilmittel gewählten Überzeichnungen, welche die Inszenierung abwechslungsreich und spannend machen. Erschreckend präsent mit wuchtigem, mehr eindringlichem als verführerischen Charisma Markus Löchner als Willi Cordier.

Die zügigen Szenenwechsel im mit minimalen Mitteln verwandelbaren Bühnenbildkonzept (Nikolaus Granbacher) halten die Spannung bis zum Schluss aufrecht. Die bei aller Reduktion aussagekräftigen Kostüme (Ausstattung Andrea Hügli) in Verbindung mit den Filmsequenzen (Video Petra Zöpnik) machen das Leben in der Fremde nachvollziehbar. Dramaturgisch effektvoll, untermalt von zeittypischer Werbung, ist ein Zeitsprung von den 1950er in die 1970er Jahre gesetzt, als der gleichzeitig faszinierte und abgestoßene Journalist Paul Möhrig (Lars Fabian) nach den Cordianern sucht und einen Dokumentarfilm über sie dreht.

Viel und kräftiger Applaus für ein historisch begründetes Stück, das die Entstehung von religiösem Fanatismus ganz aktuell verständlich macht.

(von Uta Volz)

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 3. Juni 2019

(...) Die vier „Cordianer“ Edgar Münz, Inge, Luise und der Blinde stehen stellvertretend für die mehr als 100 meist jungen Menschen aus Pforzheim, die Mitte der 1950er Jahre mit dem Sektenführer Wilhelm Cordier nach Falkland und Patagonien auswanderten und Verwandte wie Kirchenvertreter ratlos zurückließen. (...)

So übergreift auch die nun unter der Regie von Andrea Hügli uraufgeführte Spurensuche mehrere Jahrzehnte. Als der Wiederaufbau der 1945 durch einen verheerenden Luftangriff zerstörten Stadt beginnt und die meisten Menschen die Erinnerung an den Krieg zu verdrängen versuchen, erscheint Cordier als charismatischer Visionär, der wortwörtlich über den Dingen steht. (...) Markus Löchner verleiht dem Prediger eine schwer zu fassende Präsenz und verschiebt dessen Wirkung mit einprägsamen kleinen Mitteln. Gegen Ende kriecht der schwer kranke Cordier am Boden und aus dem Blickfeld. 

Am spannendsten sind allerdings die Szenen, in denen der Dokumentarfilmer Paul Möhrig, den Lars Fabian zwischen Ehrgeiz und Selbstzweifel schwanken lässt, die ohne eine Nachricht zurückgebliebenen Verwandten der ausgewanderten Cordianer befragt. 

(von Dr. Sibylle Orgeldinger)