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"Wiener Blut" - Pressestimmen

Die deutsche Bühne online

Sonntag, 22. Dezember 2019

"... die handelnden Personen singen gut. Und die Badische Philharmonie Pforzheim leistet unter der Leitung von Kapellmeister Philipp Haag im Orchestergraben Bestes – setzt das zwischen Gassenhauer und Walzer-Kunstwerk changierende Stück vorwärtstreibend rasant in Szene. So verdichtet sich schon in diesem ersten Durchgang das beschwörend lockende Brief-Duett „O komm, o komm mein lieber Schatz“ mit Dirk Konnerth als Graf und Philipp Werner als buffonesk derbem Kammerdiener zu einem tenoral knalligen Höhepunkt."

"Die stimmlich herausragende Stamatia Gerothanasi, die mal im spanisch angehauchten, blutroten Tanzkleid, mal im schnittigen Reiterkostüm auftritt, gibt die mehrfach betrogene Frau des Grafen, lässt vor ungläubigem Staunen über die Liebesaffären des Gatten immer wieder ihren Mund offen stehen und sorgt mit klangschön abgedunkeltem Mezzo-Timbre im Auftrittslied „Grüß dich Gott, mein liebes Nesterl“ für heimeliges Wohlbefinden."

"Und mittendrin zelebriert die Gräfin mit glutvoller Stimme, später auch im Duett mit dem Grafen, den berühmten Operetten-Titelsong. Auch wird ein ziemlich obszöner Steckenpferd-Tanz mit transvestitischen Reitern zur allgemeinen Erheiterung dargeboten. Zudem erscheint der Duodez-Fürst, des Grafen Chef, den Paul Jadach als dümmlich-ahnungslosen Chargen vorstellt."

"Die Gemeinschaftsinszenierung des Pforzheimer Oberspielleiters Hannes Hametner und des Ballettdirektors Guido Markowitz ist eine gelungene Sache. Der eine war für die Pointierung des Wortwitzes und die scharfe Personenzeichnung zuständig, der andere für die Choreographie schillernder Tänze, die auch mit allerlei Gags ironische und groteske Situationen beschwören. So ist im Pforzheimer Theater beim Besuch der Operette „Wiener Blut“, für die Victor Léon und Leo Stein des Libretto geschrieben haben, kurzweilig-muntere Unterhaltung garantiert."

Eckehard Uhlig

"Badische Neueste Nachrichten"

Montag, 23. Dezember 2019

"„Wiener Blut“ entwarf ein sentimentales Bild der Wienerstadt aus Zuckertäuberln und Nesterln, bevölkert von Repräsentanten deutscher Kleinstaaterei und Figuren einer Nestroy-Posse wie der Probiermamsell und dem Karussellbesitzer. Wie das Werk von der Resterampe zu retten ist, zeigte jetzt die Pforzheimer Produktion, bei der Regisseur Hannes Hameter zusammen mit Thorsten Klein beherzt im Libretto wühlten, ihm durch eine neue Fassung Leben einhauchten und durch umsichtige Revitalisierung und Tempo zum großen Erfolg verhalfen."

"Wie im Original mit seiner Verortung zur Zeit des Wiener Kongresses hat der Hinweis auf die Ibiza-Affäre kaum Folgen für das zeitlos moderne Opernball-Ambiente (tolle Kostüme von Erika Landertinger) und die Selbstverständlichkeit, mit der auf dem Diplomatenball ein Geldkoffer gereicht wird. Allenfalls die berufliche Veränderung von Franziskas Vater, dem Kagler, fällt auf, der ursprünglich die Tiere seines Ringelspiels beaufsichtigte und jetzt als Zuhälter mehrere Pferde am Laufen hat. Graf Zedlau, Gesandter vom Reuß-Schleiz-Greiz, genießt die Vorzüge der Großstadt, unterhält in seiner Villa ein Liebesnest mit seiner Geliebten, der Tänzerin Franziska, trifft sich mit der Gräfin zur Kutschfahrt und verguckt sich bei der Schneiderin in die Probiermamsell Pepi."

"Klaus Geber als allzu schmieriger Lude Kagler, Ines Vinkelau als polkaflinke Pepi und Philipp Werner als lautstarker Josef ergänzen das Ensemble, dem der seinem Denkmal im Wiener Stadtpark entstiegene goldene Johann Strauß (Yannis Brissot) seinen Segen gibt. Kein Wunder: Er wäre wohl auch insgesamt mit der Präsentation seiner Zweitauswertung durch Philipp Haag und die Badische Philharmonie, den Chor, der mit der Textfassung der „Tritsch-Tratsch-Polka“ brillierte, und die von Ko-Regisseur Guido Markowitz instruierten Tänzern zufrieden gewesen."

Nikolaus Schmidt
 

"Pforzheimer Zeitung"

Montag, 23. Dezember 2019

"Der zweite Akt bietet mit großen Ensembles ein völlig anderes Bild. In den opulent ausgestatteten Ballszenen auf der nach hinten weit geöffneten, mit Revue-Treppe versehenen Bühne – was historisch an das vergnüglich-gesellige Treiben auf dem Wiener Kongress erinnern mag – pulsiert der rote Saft voller Kraft zum Strauß-Walzer-Hit „An der schönen blauen Donau“. Klangsatt leuchtet der chorisch wuchtige Walzersang nicht nur im Akt-Finale (Chorleitung Alexandros Diamantis). Drei Tanzpaare – die Damen in weißem Tüll, die Männer im Frack – brillieren mit eigenwilligen, oft belustigenden Bewegungsschlenkern und Arabesken zum Walzertakt. Eine goldbronzene, lebendig gewordene Johann Strauß-Skulptur durchwirbelt mit Geige und Bogen die Szene, prächtig rote Ballroben und schärpengeschmückte vornehme Herren all überall (Kostüme Erika Landertinger)." 

"Und natürlich die quietschfidele Näherin Pepi, Verlobte des Kammerdieners und durch Verwechslungs-Zufall zweite Geliebte des Playboy-Grafen: Ines Vinkelau intoniert mit hinreißendem Soubretten-Charme „Draust in Hietzing gibt’s a Ramasuri“."

"Dort gerät das „Wiener Blut“ im Schlussakt hitzig in Wallung. Denn beim Heurigenfest treffen alle Akteure in den Karussell-Separées eines Rotlicht-Etablissements zusammen, wo leicht bekleidete Mädchen beim Tabledance an Stangen schlängeln und für schwüle Atmosphäre sorgen. Hier blühen Partnertausch und Eifersucht. Doch schlussendlich mündet der erotische Taumel in die Rückkehr der Traumtänzer zu den angestammten Beziehungskisten. Der Spaß ist aus, wird aber noch einmal in einer fulminanten Stretta vor geschlossenem Vorhang, auf dem zwischen gespreizten Damenbeinen das Motto „heat thing“ zu lesen ist, chorisch imposant verklärt."

"So ist im Theater Pforzheim beim Besuch der Operette „Wiener Blut“, für die Victor Léon und Leo Stein des Libretto geschrieben haben, kurzweilig muntere Unterhaltung garantiert."

Eckehard Uhlig