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Fidelio - Pressestimmen

"Pforzheimer Zeitung"

"Eine Corona-Inszenierung ist das nicht – ganz im Gegenteil. Denn selbst unter den erschwerten Bedingungen bringt Regisseur und Bühnenbildner Thomas Münstermann suggestive Bilder auf die Bühne, gewinnt Beethovens „Fidelio“ aktuelle Züge ab und gestaltet ein Finale, das mit augenzwinkernder Ironie den Inhalt des Schlusschors „Es sucht der Bruder seine Brüder, und kann er helfen, hilft er gern“ infrage stellt."

"Dazu bedarf es keiner Worte. Und durch das Weglassen der Dialoge entstehen Spannung und Dichte. Ganz logisch stehen die Vier im Sicherheitsabstand nebeneinander. Rot-weiße Absperrbänder dominieren das Bild – über die Käfige gespannt und an den zeitlos-spannenden Kostümen von Gina Dilber die Menschen begrenzend."

"Währenddessen haben sich die Käfige gehoben und geben den Blick frei auf die Badische Philharmonie auf der Hinterbühne. Die brilliert bei der Antrittsvorstellung des neuen Generalmusikdirektors Robin Davis. Symphonische Klangpracht ohne Pathos, feine Pianostellen, herausragende Bläser – vor allem die stark geforderten Hörner. Schwelgen in Beethovens eindringlicher Musik, ohne die Sänger übertrumpfen zu wollen. Vor allem Stamatia Gerothanasi und Elisandra Melián glänzen an diesem Abend, werden vom Publikum mit Bravo-Rufen bedacht."

"Stehende Ovationen und eine für die knapp 130 Premierengäste erstaunliche Lautstärke beim Applaus. An diesem Abend hat wirklich gar nichts gefehlt."

Sandra Pfäfflin

"Badische Neueste Nachrichten"

"Nicht im Spanien des ausgehenden 18. Jahrhunderts, einige Meilen entfernt von Sevilla, sondern in einem Gefängnis hier und heute lässt Thomas Münstermann „Fidelio“ spielen. Ein starkes Zeichen: Natürlich der ursprünglichen Jahresplanung des Pforzheimer Theaters und Beethovens 250. Geburtstag verpflichtet, doch vor allem ein Zeichen, wie man auch „unter Wahrung der Arbeitsschutzlinien und Corona- Verordnungen“ ein großes Werk stemmen kann. Verbunden mit dem eindringlichen Appell der Hausherren an die Politik, durch einen modifizierten Belegungsplan mehr zu erlauben als nur die 130 Besucher, die am Premierenabend mit stehendem Applaus dankten."

"Verschwunden sind auch die zopfigen Sprechtexte der Herren Sonnleithner, Breunning oder Treitschke, die man nun als Motor für die Duette, Arien und Mittel der Personencharakterisierung ein wenig vermisst. Bei Münstermann ist das Stück von Anfang an Ideendrama, wodurch er den Bruch im zweiten Teil zur Befreiungsoper und Oratorium vermeidet."

"Die Utopie-Harlekinade ist der denkbar stärkste Gegensatz zum Gefängnis, dessen Insassen durch Puppen des Künstlers Fabian Faylona dargestellt sind, denen Pforzheimer Bürger durch Etikette Individualität gaben. Stumm agiert der zuvor aufgenommene Chor. Robin Davis hatte man für seinen Einstand zwar ein zentrales Werk geschenkt, wie es in die Hand eines Generalmusikdirektors gehört, doch die Kommunikation der auf der Hinterbühne hinter der Kistenwand versteckten Badischen Philharmonie mit den zugespielten Chören und den Solisten im Vordergrund forderte ihn stärker als Koordinator denn musikalischen Gestalter."

"... bereits in der Ouvertüre op. 72b vermittelte Davis eine bis ins Finale anhaltende Stimmung des beklemmenden Pochens. Weniger heldenhafte Heroine als Bild einer gequälten Seele ist die in Männerkleidung glaubwürdige Stamatia Gerothansi als Leonore, die mit „kaltem Blut“ und biegsam schlankem Sopran vor allem in den Intervallen und Koloraturen ihrer großen Arie überzeugt. Ebenso vielseitig und Operetten erfahren sang Dirk Konnerth, dessen zunächst etwas kurzatmiger Tenor sich ohne Substandverlust in den Fiebervisionen „Ein Engel Leonore“ hochschraubt, einen eindringlichen Florestan. Nur angedeutet ist die Figur des beim Nahen der Rettung opportunistisch umschwenkenden Gefängniswärters Rocco von Lukas Schmid-Wedekind."

Nikolaus Schmidt