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"Die Perlenfischer" - Pressestimmen

Pforzheimer Zeitung

Montag, 18. Februar 2019

(...) Die in Sri Lanka spielende Liebesgeschichte wird in eine Traumebene verlegt, die sich vor exotischer Kulisse abspielt.

Drei junge Menschen in westlicher Alltagskleidung schlummern in einer Art überdimensionalem Bett (Bühnenbild und Kostüme Ruth Groß), das Projektionsfläche für Filmeinspielungen (Video Clément Chébli) von Perlentauchern, bewegten Wassermassen und fremdartigen indisch-hinduistischen Ritualen ist. Sie erwachen in dieser fremden Welt und müssen hier ihre Rollen spielen.

Zurga (Paul Jadach) wird zum Anführer der Perlenfischer gewählt. Leïla (Stamatia Gerothanasi) ist die geheimnisvolle Jungfrau, die mit ihrem Gesang den zerstörerischen Gott Shiva beschwichtigen soll, damit die Perlenfischer in ruhiger See arbeiten können. Zurgas plötzlich auftauchender Freund Nadir (Dennis Marr), einst der Geliebte von Leïla, bringt Unglück über alle, über Leïla, die ihren Keuschheitsschwur bricht, über die Perlenfischer, die von einem schweren Unwetter bedroht werden, über Zurga, dessen Großmütigkeit an Hass und Eifersucht zu scheitern droht. Dass er Leïla gegenüber eine alte Verpflichtung hat, rettet schließlich das Liebespaar.

(...) Statt unreflektierter Exotismus, wie er zur Entstehungszeit der Oper Mode war, werden Einblicke in die fremdartige Kultur Indiens vermittelt. Wenn Zurga mit einem überdimensionalen Schwert in Kreuzform hantiert und Filmsequenzen von britisch-indischem Militär zu sehen sind, werden Assoziationen zur Kolonialzeit geweckt. Die Verwendung einer fremden Kultur als Kulisse wird damit kritisch reflektiert.

(...) Stamatia Gerothanasi betörte als Leïla einmal mehr mit ihrem glasklaren, lupenreinen Sopran. Dennis Marr gestaltete den Nadir mit einem angenehm weichen, lyrischen, in den Höhen allerdings etwas glanzlosen Tenor. Spielfreudig und mit warmem, voluminösen Bariton Paul Jadach als Zurga. Ein gestrenger Dorfältester mit souverän geführtem Bass Aleksandar Stefanoski.

Großen und wichtigen Anteil am Geschehen haben der fast ständig auf oder hinter der Bühne agierende Chor und Extrachor (Chorleitung Alexandros Diamantis), der sich harmonisch – wenn auch der Männerchor nicht immer ganz exakt im Schlag – ins Gesamtgeschehen einfügte.

Die Badische Philharmonie verlieh dem Orchesterpart Transparenz und filigrane Linien, die exotischen angehauchten Motive wurden dezent herausgearbeitet. Markus Huber am Dirigentenpult, der die musikalische Leitung innehatte, gelang ein musikalisches Gesamtkunstwerk von großer Schönheit. Langanhaltender Beifall für einen großen Opernabend.

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 18. Februar 2019

(...) Olivier Desbordes und Eric Perez, in deren südfranzösischem Festspielort die Kooperation des Theaters Pforzheim mit dem Festival de Saint-Céré auch gezeigt wird, setzen die jugendlichen Fluchtfantasien mit sparsamen Mitteln und einer wetterfesten Konstruktion (Ruth Groß) in Szene. Clément Chéblis Videos entwerfen mit Südseetauchern und Fischerbooten sowie mit intensiven Bildern südindischer Götterbeschwörungen und marschierenden Garden den vom weiß gekleideten Chor kommentierten Konflikt zwischen Liebe und Freundschaft einerseits und Politik und Religion auf der anderen Seite.

Unter den wie Bergreliefs aufgeworfenen Tuchmassen kriechen die Protagonisten wie aus einem Traum hervor. Zunächst Zurga, der sich zum Anführer der Fischer wählen lässt, woraus eine Pflicht erwächst, an der der zu zerbrechen droht. Diese Zerrissenheit macht Paul Jadach mit seinem etwas rauen und herben, doch höhenstarken Bariton und starker stimmlicher Expansion mit großer Wirkung in seiner dramatischen Szene im dritten Akt und der Konfrontation mit Leila deutlich. Doch zunächst entfaltet er bei der Begegnung und den freundschaftlichen Rangeleien mit dem wiedergefundenen Nadir die Magie von „Au fond du temple saint“, dem sinnlichsten aller Duette für Tenor und Bariton, dem Desbordes und Perez die Aura einer Liebesszene verleihen.

Nicht nur an dieser Stelle malen Markus Huber und die Badische Philharmonie Pforzheim den melodischen Reiz und die koloristischen Qualitäten der Partitur derart bezwingend aus, dass das Publikum spontan begeistert ist. In solchen Momenten gelingt dem Regieteam der Sprung in die Gegenwart, wobei die sanfte Verhüllung unter den Tüchern und das Bedauern über den vergeblichen Liebestraum die Schwierigkeit einer angemessenen Inszenierung aufzeigt, die jenseits von gängiger Exotik nach Lösungen sucht. Dennis Marr verfügt über den für Nadir passenden unschuldig süßen Klang, den er in seiner Traumerzählung mit feinem Legato, einem Wechselspiel der Farben und der Mischung zwischen Piano und Kopfstimme ausziseliert. Die 15 Nummern der Partitur gestaltet Bizet mit einer Originalität, die über die dürftige Handlung hinwegsehen lässt, dazu gehören auch die von Bläsern umspielte Arie der Leila, für die Stamantia Gerothanasi statt eines warmen kristallinen einen harten, opaken Ton, aber auch starke Überzeugungskraft aufbietet. Mit prägnantem Bass vertrat Aleksandar Stefanoski als Nourabad die Forderungen der Religion.