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"Ariadne auf Naxos" - Pressestimmen

"Badische Neueste Nachrichten"

Montag, 17. Februar 2020

"Die Satire auf selbstgefälliges und ignorantes Mäzenatentum, die Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal 1912 in Stuttgart, damals noch mit Molières „Bürger als Edelmann“ zur Aufführung brachten, erlebte am Theater Pforzheim eine begeistert gefeierte Aufführung, bei der sich das Publikum ebenso amüsierte wie die Narren nebenan im Kongresszentrum."

"Es hat lange gedauert, bis sich „Ariadne auf Naxos“, die 1916 in Wien mit dem heutigen Vorspiel versehen wurde, als Preziose für große Bühnen und Festspielorte durchsetzte. Erdl und das in allen Partien bestens abgestimmte Ensemble bewiesen, dass es auch an kleinen Bühnen funktionieren kann. „Ariadne auf Naxos“ ist nur scheinbar ein Kammerstück, denn mit dem Solisten-Instrumentarium entfaltet Strauss nach dem ironischen Parlando des Vorspiels seinen typischen Klangrausch, den Erdl und die Badische Philharmonie kernig einfingen."

"Unter so viel genau beobachteter Oberflächlichkeit lässt Materna die eigentliche Botschaft vom Ernst der Kunst durchscheinen, die Anna Gütter als Komponistin mit schwärmerischem Sopran verteidigt, obwohl sie ob der Instinktlosigkeit des Auftraggebers verzweifeln könnte. Doch in dem Moment, wo sich ihr Zerbinetta als gar nicht so leichtfertiges Wesen zu  erkennen gibt, kommen sich die beiden Welten näher." 

"Bravourös abgestimmt in einer orgelpfeifenhaften Größe und Spiel die Komödianten der Commedia dell ’arte: die Tenöre Arthur Cangucu und Patrik Hornák und der Bass Lukas Schmid-Wedekind, dazu Zerbinetta, deren Philosophie Elisandra Melián in einer fast rahmensprengen Nummer und einer der brillantesten Koloraturszenen mit einer Selbstverständlich an der Rampe glitzern lässt, als habe sie auf diese Partie ein Leben lang gewartet."

"Dorothee Böhnisch singt die Klagen der verlassenen Ariadne mit einem in der Tiefe und Mittellage reichen Sopran („Totenreich“) und explosiver Höhe, der im Lauf der Aufführung exemplarische Dramatik annimmt."

"Benjamin Werth, gerade noch als Stotterer Wenzel in der „Verkauften Braut“ als Charaktertenor tätig, kann mit strahlend ausgestoßen Höhen den Wunsch nach einem Wechsel ins Heldenfach plausibel machen."

Nikolaus Schmidt

"Pforzheimer Zeitung"

Montag, 17. Februar 2020

"Zum Schluss kommt es wie am Anfang: Mit kräftigem Beifall bekundet das Premieren-Publikum der Strauss-Oper „Ariadne auf Naxos“ seine Freude – wenn Dirigent Florian Erdl den Bademantel ablegt und mit blumiger Badehose in den Swimmingpool zum Orchester hinabsteigt und wenn Ariadne mit Bacchus zum glücklichen Ende ins gleißende Licht schreitet."

"Gerade das Vorspiel der „Ariadne“ gelingt Regisseur Tobis Materna kurzweilig: Da tummeln sich alle Akteure des Abends in bunter Mischung in der Szenerie eines Wellness-Tempels, da trifft das lustige Zerbinetta-Quartett samt Tanzmeister (Philipp Werner) auf eine verzweifelte Komponistin und einen empörten Musiklehrer. Da macht der Tenor Handstände, während die Sauna- und Dampfbad-Türen immer wieder heißen Dampf entweichen lassen. Friede, Freude, Eierkuchen: Doch dann verkündet der Haushofmeister (Thomas Peters), dass sein stinkreicher Herr das heitere Spiel um die untreue Zerbinetta mit dem tragischen Schicksal der Oper „Ariadne“ vermengen will."

"Überhaupt wird in dieser Produktion bemerkenswert gesungen. Allen voran Elisandra Melián als hinreißende Zerbinetta: Kokett und doch verletzlich, komisch und doch einen Hauch tragisch, verzaubert sie nicht nur ihre vier Verehrer, sondern auch das Publikum, das ihre grandiose Koloratur-Arie „Großmächtige Prinzessin“ mit Bravorufen feiert. In ihren Doppelrollen brillieren auch Paul Jadach (Musiklehrer, Harlekin), Arthur Canguçu (Offizier, Scaramuccio), Lukas Schmid-Wedekind (Lakai, Truffaldin) und Patrik Horňák als Brighella. Anna Gütter kann in ihren Nymphen-Szenen mit Ines Vinkelau als Najade und Helena Steiner als Dryade überzeugen ..."

"Florian Erdl am Pult der Badischen Philharmonie liefert ab: eine engagierte Orchesterleistung, ohne große Höhepunkte, leicht spannungsarm, solide. "

Sandra Pfäfflin