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Pforzheimer Zeitung

Montag, 13. Juni 2016

Es gibt Vorhersagen, die tatsächlich eintreffen – nicht nur beim Wetter oder dem Gewinner der EM. Wenn das Theater Pforzheim in seiner Vorschau zum Musical „Tribute to the Blues Brothers“ orakelt, die turbulente Show hat „das Zeug zum Kult in der Goldstadt“, dann lässt das Premierenpublikum daran keinen Zweifel: Stehende Ovation, Bravorufe, donnernder Applaus und bei den Reprisen auf den Rängen mittanzende Menschen, das zaubert ein Lächeln auf die Lippen der zahlreichen Mitwirkenden. Und die haben schon während der Aufführung sichtlichen Spaß.

Woran das liegt? Zum einen natürlich am Stück, das inhaltlich und in den Dialogen eng an den berühmten „Blues-Brothers“-Film angelehnt ist. Zum anderen an der witzigen, kurzweiligen und mit vielen überraschenden Ideen gespickten Regie von Gerhard Weber, der als langjähriger Intendant des Theaters Trier weiß, was beim Publikum ankommt. Und das liegt vor allem an Markus Löchner und Jens Peter als Jake und Elwood Blues, die „im Auftrag des Herrn“ unterwegs sind. Die beiden singen, tanzen, spielen fast bis zum Umfallen, verausgaben sich auf der Bühne – und sind dabei doch völlig locker und urkomisch.

Überhaupt bringt diese Gemeinschaftsproduktion von Musiktheater, Schauspiel und Ballett unglaublich viele mitreißende Akteure auf die Bühne. Da sind Jasaman Roushanaei und Fredi Noël als zum Brüllen komisches Polizistenduo, da gibt Konstanze Fischer eine Schlagstock schwingende Countrylady, da ist Katja Thiele, die schlagkräftige „Pinguintante“, und da verkörpern Spencer Mason, Mario Radosin sowie Julian Culemann mit viel Verve die unterschiedlichen Typen der Blues-Brothers-Band. Die Livemusik kommt meist vom Hintergrund der Bühne mit einer Sieben-Mann-Band unter Leitung von Frank Rosenberger, die so richtig einheizt. Bemerkenswert sind vor allem die sängerischen Leistungen, allen voran Stephen Shivers, der einen mitreißenden „Minnie the Moocher“ hinlegt und das Publikum kräftig zum Mitsingen animiert. Lilian Huynen ist die resolute Musikergattin, die mit Aretha Franklins Hit „Think“ ihren Gatten klarmacht, was er zu tun und vor allem zu lassen hat. Wunderbar schräg auch Theresa Martini als mörderisch gekränkte Carrie, die ihrem Geliebten Jake ein „Unchain my Heart“ entgegenschleudert. Und Brian Garner verkörpert die Soul-Legende Ray mit unschlagbarem Temperament.

Überhaupt ist dieser Abend voller Bewegung, voll großartig getanzter Choreografien von Janne Geest, die auch die Damen und Herren des Chors (Einstudierung Salome Tendies) kräftig zum Swingen und Tanzen bringt. Und das gleich auf mehreren Ebenen im pfiffigen Bühnenbild von Dirk Steffen Göpfert, das immer wieder mit überraschenden Ein- und Ausblicken aufwartet. Kurzum: ein restlos gelungener Abend, der nicht nur die zahlreichen Premierengäste in „Blues-Brothers“-Uniform – schwarzer Anzug, schwarzer Hut, schwarze Sonnenbrille – zum Toben bringt. Und wenn dann zum Schluss die ganze Crew den „Jailhouse Rock“ zelebriert, ist klar – dieses Stück wird ein Renner. Man kann darauf wetten . . .

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 13. Juni 2016

Männer! Kaum hat der gerade aus dem Knast entlassene Jake Blues (Markus Löchner) mit Dackelblick und Schmeicheleien den Panzerfaustangriff seiner rachsüchtigen Exfreundin Carrie (Theresa Martini) abgewehrt, die er einst vor der Kirchentür stehen ließ, lässt er sie nach einem kurzen Versöhnungskuss schon wieder zu Boden platschen! Da kann die arme Verlassene nur – immer noch ihr 60er-Jahre-Schluppenärmel-Hochzeitskleid tragend – ein leidenschaftliches „Unchain my heart“ zu trällern, während Jake und seinen Bruder Elwood (Jens Peter) davonbrausen. Die schrägen Brüder sind schließlich „im Auftrag des Herrn“ unterwegs: Sie wollen 5 000 Dollar auftreiben, um die Steuerschulden des katholischen Waisenhauses zu bezahlen, in dem sie einst aufgewachsen sind. Dessen Leiterin, die „Pinguintante“ (Katja Thiele), warnt die beiden Halunken aber – nur legale Methoden sind erlaubt! Am Theater Pforzheim hat Regisseur Gerhard Weber den berühmte Film „The Blues Brothers“ als Rockmusical auf die Bühne gebracht. Die Aufführung besticht durch ein witziges Bühnenbild (Dirk Steffen Göpfert) wie etwa die Mini-Stühlchen, in die sich Jake und Elwood quetschen und während der Standpauke der Oberin wieder zu Schuljungs mutieren. Oder die Lenkräder, mit denen die wilden Autojagden nachgespielt werden, wobei sich alle synchron in die Kurven schmeißen. Jasaman Roushanaei gibt als weiblicher Cop mit tief dekolletiertem Uniformhemd und durchdringender Stimme die Sirene. Auch Slapstick-Gags kommen nicht zu kurz, etwa wenn die Blues Brothers ihre ehemaligen Bandmitglieder wieder zusammentrommeln, die mittlerweile alle in bürgerlichen Berufen arbeiten. Im Nobel-Restaurant von Mr. Fabulous (Mario Radosin) kugeln die grotesk übergewichtigen Gäste durcheinander, als Jake und Elwood dort für Chaos sorgen. Auch in der Country-Bar sind die Cowboys und Countrygirls gar nicht erfreut, als die frisch vereinte Band den Blues „Gimme Some Lovin’“ anstimmt. Bevor noch mehr Bierdosen auf die Bühne regnen, wechselt man daher in „A – die beste Country-Tonart!“ und den rollenden Rhythmus von „Rawhide“. Grandiose Gesangsleistungen gibt es auch von Diner-Chefin Aretha (Lilian Huynen), die „Think“ einfordert, bevor ihr Mann (Spencer Mason) sich den Brüdern anschließt, Musikalienhändler Ray (Brian Garner), der im mitreißendsten Verkaufsgespräch ever („Shake Your Tail Feather“) ein Piano an den Mann bzw. die Männer bringt, und natürlich Waisenhaus-Hausmeister Curtis (dem wunderbaren Stephen Shivers), der nicht nur bei „Minnie The Moocher“ zum Mitsingen animiert. Nach so vielen großartigen Hits hält es kaum noch einen Gast auf seinem Platz, der Schlussapplaus und das Zugabemedley werden komplett im Stehen absolviert. Und wenn die Bühne nicht schon so voll wäre – die Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles tragen mittlerweile Gefangenenkluft, da die chaotischen Brüder am Ende hinter Gitter landen – man würde sich am liebsten dazuquetschen und mitrocken!

Mühlacker Tagblatt

Dienstag, 14. Juni 2016

Schwarze Sonnenbrillen, schwarze Hüte, Anzug und Krawatte: Bereits im Jahr 1980 schuf der US-amerikanische Regisseur John Landis einen Kultstreifen, dessen unvergessliche Songs so manchem Zuschauer bis heute in den Ohren klingen. Am Samstagabend war es an der Zeit, den beiden Brüdern John und Elwood zu einer würdigen Bühnen-Hommage zu verhelfen, und mit rund 520 Besuchern konnte sich das Stadttheater Pforzheim über ausverkaufte Ränge freuen. „A Tribute to the Blues Brothers“ ließ noch einmal die turbulente Geschichte zweier gewitzter Haudegen lebendig werden, die im Namen des Herrn unterwegs sind, um ihre in alle Winde zerstreute Band zu reaktivieren.

Dauerte das filmische Highlights knapp zweieinhalb Stunden, so war dieses „Blues Brothers“-Tribut quasi dieselbe Geschichte nur im Schnelldurchlauf: Die besten Szenen (...) aneinandergefügt, wobei auch die musikalischen Evergreens nicht fehlen durften: Da wird noch einmal das im Original von Cab Calloway interpretierte „Minnie the Moocher“ lebendig, da haut Ray Charles im Hardrock Café zu „Shake a Tail Feather“ in die Tasten und das ohrwurmträchtige Thema zu Peter Gunn ist stets und kontinuierlich omnipräsent. Besonders schön die Szene in der Gospelkirche, als Elwood Blues seine Erleuchtung hat und sein deutsches Pendant Jens Peter tatsächlich den Flick-Flack schlägt.

Dabei müssen sich die Ensemblemitglieder des Pforzheimer Stadttheaters vor großen Vorbildern kaum verstecken: So spielt Markus Löchner den John mit der gleichen trockenen Lakonie wie einst Dan Aykroyd, Jens Peter bringt den kauzigen Witz eines John Belushi fast eins zu eins rüber, und die Niederländerin Lilian Huynen, ein Dauergast auf sämtlichen Besetzungslisten der Stücke des Stadttheaters, hat ein großartiges Solo zur nicht minder fetzigen Soul-Nummer „Freedom“, die im Original noch von Aretha Franklin vorgetragen wurde. Anhand des sympathischen Spiels, allerlei humoresken Einlagen, kreativen Bühnenbildern und der Kunst zur Improvisation kann hier durchaus von einer geglückten Premiere gesprochen werden.