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"Frankenstein Junior" - Pressestimmen

Pforzheimer Zeitung

Montag, 30. September 2019

"Dazu fetzt unter Philipp Haags verlässlicher Leitung das Orchester den aus den 1930er Jahren stammenden, rhythmisch durchgerüttelten Jazzstandard „Puttin‘ on the Ritz“ – also wie man sich fürs Ritz Hotel fein macht. Totaler Blödsinn! Denn dort, wo die Handlung spielt, nämlich im hintersten Dorf Transsilvaniens, sind Frack und Fliege das Allerletzte, was man braucht."

"Großartige Choreografien und viel Bewegung prägen die Inszenierung."

"In aschfahle grüne Schminke getunkt gibt Philipp Werner ein hinreißend gruseliges Monster. Und Samuel Schürmann präsentiert die Titelrolle sensationell leicht. Gesanglich hat er viel zu bieten und es gehört zum speziellen Humor dieses Musicals, dass dies im Libretto mehrmals benannt und wiederholt wird. Dieser Nachkomme des berüchtigten, verstorbenen Dr. Frankenstein kann singen!"

"Peniswitze dienen bei Mel Brooks irgendwie als Metapher für Sinn und Unsinn, worum es beim Zusammenleben letzten Endes geht. Klar, dass das wiederbelebte Monster einen besonders großen „Transsilvaner“ hat. Den allerdings bekommt das Publikum nicht zu sehen. Genauso wenig wie die sinnestolle Liebesnacht, die Frankensteins Verlobte Elisabeth mit dem Monster backstage verbringt. Anna Gütter gibt die überkandidelte Elisabeth herrlich delikat und singt ein wunderbar albernes „Tiefer, tiefer!“ Auch sowas gehört zum ganz speziellen Mel-Brooks-Humor. Das Theater Pforzheim setzt ihn aufrichtig und liebevoll in Szene: Eindeutig doppeldeutiger Horrorklamauk."

Sven Scherz-Schade
 

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 7. Oktober 2019

"In bewährt respektloser Weise hatte Mel Brooks 1974 den Werdegang des jungen Frankenstein als Hommage an die guten alten Gruselklassiker in seinem Schwarz-Weiß-Film „Young Frankenstein“ parodiert und 30 Jahre später mit ansehnlichem Erfolg als Musical an den Broadway gebracht. Auch weitere 15 Jahre später hat der Blödelhumor der 70er Jahre keinen Mehltau angesetzt. Das beweist jetzt die Pforzheimer Aufführung „Frankenstein Junior“. Klaus Seifferts kurzweilige, halbschräge Inszenierung tut alles, um für volle Häuser zu sorgen. So virtuos wie sich Brooks auf Filmklassiker bezog, verneigt sich seine gut gemachte Bühnenfassung vor einer Tradition des Musicals, die zum Zeitpunkt der Uraufführung mit ihren gefeierten Porter- und Gershwin-Neuentdeckungen am Broadway ein Revival erlebt hatte."

"Die Musik wartet teilweise mit Ohrwurmcharakter auf, die Texte sind auch in der deutschen Übersetzung fabelhaft, und die Pforzheimer Inszenierung jongliert gekonnt mit den vielfach bewährten Versatzstücken des Genres. Da stimmen Timing und Tempo, sitzen die Pointen und die kreisenden Fächer des Chors, da führt Tom Grasshofs Ausstattung aus dem New Yorker Anatomiesaal über die Skyline am Hafen in die freudlosen Gassen von Frankensteins Heimat, wo Frederick skurrile Bewohner aufsammelt und in Häuser tritt, in denen die Treppen mörderisch sein können. Regisseur Seiffert kann zudem auf eine Handvoll glänzender Singschauspieler setzen."

"Samuel Schürmann mit Gene-Wilder-Löckchen ist als Frankenstein Junior ein rührend scheuer Wissenschaftler, der sich aber als steppendes Energiebündel erweist, wenn er bei Irving Berlins Evergreen „Puttin‘ on the Rizz“ gemeinsam mit dem von ihm geschaffenen Monster eine große Revuenummer alten Stils hinlegt. Letzteres übrigens so glänzend, dass man sich wünscht, Seiffert, der die Szene selbst choreografierte, möge für einen Klassiker von Porter, Gershwin oder Kern nach Pforzheim zurückkehren. Auch Philipp Haag und die Pforzheimer Philharmonie sowie der von Mario Mariano in rüschige Bewegungen gebrachte Chor setzen die Musik mit Gefühl für ihren nostalgischen Swing um."  

Nikolaus Schmidt