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Olga Scheps, Solistin im 1. Sinfoniekonzert über Klaviermusik im Allgemeinen und Chopin im Besonderen

Theater: Für Ihre Einspielung mit Werken für Klavier solo von Chopin haben Sie 2010 den ECHO Klassik Preis bekommen. Beim Sinfoniekonzert in Pforzheim am 6. November spielen Sie das 2. Klavierkonzert von Chopin. Wie ist Ihre persönliche Verbindung zu diesem Komponisten?

Scheps: F. Chopin ist einer meiner Lieblingskomponisten. Ich finde, seine Musik erzählt sehr direkt und persönlich von Gefühlen und Gedanken, die wir alle haben. Ich spiele seine Werke auch jedes Mal ein bisschen anders, je nachdem wie ich mich gerade fühle oder welche neuen Ideen ich gerade habe. Das mache ich aber bei anderen Komponisten auch.

Theater: Chopins 2. Klavierkonzert (eigentlich sein zuerst entstandenes) stellt innerhalb der Klavierkonzertliteratur einen Aufbruch in Richtung Virtuosität dar. Was ist für Sie das Besondere an diesem Werk?

Scheps: Es ist wirklich virtuos, aber es verlässt nie das Gesangliche, das Erzählerische. Bei Chopin steht bei aller Brillanz und Virtuosität immer das Melodische im Vordergrund.

Theater: Sie haben Chopins 2. Klavierkonzert auf CD eingespielt, und zwar in der Fassung für Streichorchester. In Pforzheim werden Sie es mit Sinfonieorchester spielen. Wo liegt jeweils der Reiz bei diesen Fassungen?

Scheps: Eine Besonderheit der Klavierkonzerte von Chopin liegt darin, dass es verschiedene Fassungen gibt: für Streichquartett, für Kammerorchester und für Symphonieorchester. Alle Fassungen haben ihre Vorzüge: Bei der Kammerensemble-Fassung ist es die intime Stimmung der Kammermusik, bei der großen Symphonieorchester-Fassung gibt es den großen farbenreichen Klang des Orchesters und der verschiedenen Instrumente, und die Kammermusikfassung hat von allem etwas. Welche einem am besten gefällt, ist am Ende persönliche Geschmackssache.

Theater: Spielen Sie lieber Sololiteratur oder Konzerte? Was schätzen Sie daran?

Scheps: Ich spiele beides gerne. Für mich wäre es einfacher zu sagen, welche Stücke ich lieber spiele, weil es mir vor allem darum geht, was ich spiele und nicht, ob ich alleine oder mit anderen spiele. Es gibt so viel tolle Musik für Soloklavier und für Klavier mit Orchester, dass ein ganzes Leben nicht reicht, das alles zu spielen.

Theater: Wie sieht ein normaler Tag von Olga Scheps daheim aus, wie viel üben Sie?

Scheps: Ich übe eher nachmittags und abends, je nach Motivation bis zu sechs Stunden. Ansonsten bin ich mittlerweile zwischen meinen Reisen sehr gerne zuhause, koche, schaue Filme, höre Musik, telefoniere... und dann packe ich wieder meinen Koffer.

Theater: Was ist die größte musikalische bzw. schwierigste spieltechnische Herausforderung für Sie? Gibt es Werke, deren Zeit für Sie noch nicht gekommen ist?

Scheps: Ich wachse an den Herausforderungen. Das klingt jetzt vielleicht nach einer Standardantwort, aber es ist so. Wenn ich ein Stück lerne, übe ich es so lange, bis es so klingt, wie ich es gerade hören möchte. Ich arbeite aber genauso an Stücken, die ich lange im Programm habe, denn ich versuche ständig mein Spiel zu verbessern. Es ist ein Prozess, der, denke ich, nie aufhören wird.

Theater: Sie geben in diesem Jahr um die 40 Konzerte, und das mit den verschiedensten Programmen; mit Komponisten von Mozart über Rachmaninow und Erik Satie bis Arvo Pärt. Wie schaffen Sie es, Kopf und Finger so schnell umzustellen?

Scheps: Ich stelle mich automatisch beim Spielen auf das Werk ein, das ich in dem Moment spiele. Es ist mir wichtig, immer etwas Neues zu lernen. Ich spiele gerne neue Stücke, und auch gerne unbekanntere Werke oder Werke, die eher nicht zu dem „normalen“ Repertoire eines Pianisten gehören. Ich finde das einfach interessant und bereichernd, und diese Erfahrungen, die ich dann damit mache, geben mir auch wieder neue Impulse für die Stücke, die ich vorher schon gespielt hab.

Theater: Sie müssen sich dabei auch dauernd auf neue Konzertsäle, Orchester und Dirigenten einstellen; dieses Jahr spielen Sie z.B. in New York und Tokio, aber auch in Künzelsau und eben jetzt in Pforzheim. Ist das eine Herausforderung oder inspiriert Sie das?

Scheps: Für mich ist es manchmal eine Herausforderung, in anderen Zeitzonen zu spielen. In Tokyo fand meine erste Orchesterprobe statt, als es in Deutschland 5 Uhr morgens war. Dabei zu 100% konzentriert zu sein, war für mich schwieriger als sonst. Aber es war eine tolle Reise, und die Auftritte haben mir sehr viel Spaß gemacht. Ansonsten ist das Gewöhnen an ein anderes Instrument Teil meines Alltags, und ich bin da eigentlich „pflegeleicht“. Ich finde schnell die Stärken eines Instrumentes und kann mich auch sehr schnell auf ein neues Instrument und eine andere Akustik einstellen.