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"Jihad Baby!" - Pressestimmen

Pforzheimer Zeitung

Montag, 14. Januar 2019

Offen, ungekünstelt und altersgemäß noch lebensunerfahren, schildert der 16-jährige Jona in dem Jugendstück „Jihad Baby“ die beiden bisher wichtigsten Ereignisse in seinem Leben: seine erste Liebe und seine Hinwendung zum Islam. Der 1979 in Cottbus geborene Schauspieler und Dramatiker Daniel Ratthei greift in seinem vielfach preisgekrönten Ein-Personen-Stück ein aktuelles Thema auf: das Abdriften junger Menschen in extreme Ideologien und die Ursachen dafür. Die Premiere der mobilen Produktion des Theaters Pforzheim, die für die Aufführung in Klassenzimmern gedacht ist, war im Rahmen der Werkschau-Reihe im Podium zu sehen.

Jona ist auf der Suche nach seinem Platz im Leben. Seine Eltern und die Schule, vor allem seinen Deutschlehrer, empfindet er als spießig. Die Eltern sind selten für ihn da, der Lehrer behandelt ihn feindselig. Was Jona eigentlich fehlt, ist Rückhalt. Den findet er bei seinem Freund Musa, der ihn mit in die Moschee nimmt. In der Gruppe der Brüder fühlt er sich wohl. Er mag die Videos des Predigers Claude Pirol, der ihm mit sanfter Stimme die Grundlagen des Islams vermittelt. (...)

Der junge, sympathische Alexander Doderer ist die glaubhafte Verkörperung des Jona, den er seinem überwiegend jugendlichen Publikum auf Augenhöhe präsentiert. In seinem Erzählmonolog lässt er darüber hinaus viele weitere Menschen lebendig werden: Jenny mit den „Klack“-Augen, den spießigen Lehrer, seinen undurchschaubaren Freund Musa, den Jihadisten Kreshnik. (...)

Das in viele Kleinszenen gegliederte, durch Videoeinspielungen des Predigers strukturierte Stück erfasst bis in die zum Teil recht deftige Sprache den Lebensalltag von Jugendlichen. In der empathischen Regie von Markus Löchner werden die Kernaussagen ohne erhobenen Zeigefinger vermittelt, das Stück ist für junge wie für ältere Menschen gleichermaßen interessant und lehrreich. (...) Viel Beifall des beeindruckten Publikums.

Im Anschluss an die Premiere bestand die Möglichkeit zur Diskussion, zu der auch zwei Vertreter des Verfassungsschutzes eingeladen waren. Dabei wurde herausgearbeitet, dass die Kernaussage des Stücks die Gefahr extremer Ideologien insgesamt beschreibt: Jugendliche, die einerseits neugierig sind und vieles Neue ausprobieren wollen, andererseits aber mangels Erfahrung die Risiken noch nicht ausloten können.

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 14. Januar 2019

Viel Applaus für die Junge Bühne des Theaters Pforzheim, das am Freitag im Podium das von Daniel Ratthei geschriebene Jugendstück „Jihad Baby!“ zeigt. Es handelt von dem 16-jährige Jona. Er pubertiert. In seiner Umgebung sieht er Oberflächlichkeit und Heuchelei, was ihn nervt, auf Konventionen reagiert er rebellisch. Dazu kommen Probleme mit Lehrer Wehmeier. Regelmäßig wirft er MDMA ein – Ecstasy. In der Disco lernt er eines Tages die zugedröhnte Jenny kennen und opfert ihr seinen Rhabarbersaft. Parallel zu dieser Bekanntschaft beginnt er sich mit dem Koran zu beschäftigen und sieht sich „Videoposts“ eines Predigers an.

Lehrer Wehmeier hat Angst vor Islam und Koran. Jona gefällt dies und er sieht sich immer mehr als Anwalt einer zutiefst missverstandenen Religion. Schließlich konvertiert er während eines Telefonats mit dem Prediger zum Islam indem er die heiligen Worte nachspricht, ohne sie zu verstehen. Nun ist er ein Moslem und der Prediger schickt ihn in eine Moschee, in die er mit seinem Freund Musa geht um sich unterweisen zu lassen.(...)

Alexander Doderer brilliert in dem von Markus Löchner inszenierten Solostück und bekommt am Ende vollkommen zurecht, gewaltig Applaus. Es gelingt ihm über 75 Minuten, seine Rolle selbst in den extremsten emotionalen Ausbrüchen glaubwürdig zu halten. Dies ist bei dieser Intensität immer eine Gratwanderung zur Übertreibung. Doderer meistert sie exzellent, erreicht das junge Publikum, wie wissendes Gelächter deutlich macht.

Ob sich die Zielgruppe junger Menschen ab 15 Jahren, von dem Stück vor einer Radikalisierung warnen lässt, bleibt abzuwarten. Es gibt den berechtigten Beifall, man blickt nach der Vorstellung aber auch in fragende Gesichter und hört Kommentare wie: „Was war das denn jetzt?“. Daher ist pädagogisch geführte Nachbesprechung, sicher eine gute Idee.