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Pforzheimer Kurier

Montag, 13. März 2017

(...) Das knapp einstündige Werk „Gold“ von Autorin Flora Verbrugge und Komponist Leonard Evers, das am Samstag Premiere im Podium des Stadttheaters hatte, ist ein Zweipersonenstück mit Schlagzeuger Hannes Brugger und Sängerin Anna Hybiner. Ziemlich minimalistisch ist auch das Bühnenbild: Auf dem Boden liegen Seesäcke und Ölzeug und natürlich das Schlagzeug mit Marimbafon, großer Trommel und weiteren Instrumenten.

Angelehnt ist „Gold“, das im Rahmen von Pforzheim 250 läuft, an das Märchen der Brüder Grimm, „Der Fischer und seine Frau“: Ein Mann fängt einen Wunderfisch, der ihm für seine Freilassung jeden Wunsch erfüllt. Doch was immer der arme Mann wünscht, die Frau ist nie zufrieden. Es muss immer noch mehr sein, bis am Ende die Geduld des Fisches reißt, alle Reichtümer verschwinden und das Paar so arm ist wie zuvor. Im Stück fängt der kleine Junge Jakob, der mit seinen Eltern in einem Erdloch haust, den Zauberfisch. Zunächst wünscht sich Jakob bescheiden ein paar Schuhe, aber die Eltern, vor allem aber die Mutter, können den Hals nicht voll genug bekommen: Schuhe, Decken, Bett, dann ein Haus und sogar ein Schloss. (...) Als letztlich die Eltern ihren Jakob nötigen, sich vom Fisch die ganze Welt zu wünschen, wird es diesem zu viel und alles verschwindet wieder. Dennoch gibt es ein gutes Ende: Der Fisch gelangt wieder in den Besitz von Jakob und verspricht erneut, einen Wunsch zu erfüllen. Doch die Familie hat gelernt: Sie ist mit ihrem Erdloch zufrieden und geben dem Fisch die Freiheit, ohne etwas zu verlangen.

Vieles der Handlung wird erzählt, Einiges gesungen. Mit Musik und Licht wird die passende Stimmung erzeugt. Langweile kommt nicht auf, denn das Publikum darf mitmachen, wenn die zunehmend raue See beschrieben wird. Faszinierend ist, wie einfach, aber effektvoll, die Vermehrung der Reichtümer und ihr Verschwinden, dargestellt werden. Zufriedene Kinder und ihre Eltern sind sich einig: Das war schön.

Pforzheimer Zeitung

Montag, 13. März 2017

Zuerst sind es bloß Schuhe. Dann ein Bett und ein Haus. Und bald sogar ein Schloss mit Schwimmbad, Playstation und Personal: Die Wünsche von Jacob und seinen Eltern gehen ins Unermessliche. Immer mehr und immer besser soll es sein. (...) Zufrieden macht das nicht. Im Gegenteil: Die Gier mischt sich mit Angst und Traurigkeit.

Die Motive aus dem Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ sind aktueller denn je. In der niederländischen Kinderoper „Gold!“ von Leonard Evers, die als Beitrag zum Goldstadtjubiläum ihre Premiere im Podium des Theaters feierte, kommt die Grimm’sche Geschichte nach dem Libretto von Flora Verbrugge in moderner Form auf die Bühne – als Zweipersonenstück für eine Sängerin und einen Schlagzeuger.

Im Mittelpunkt steht der kleine Junge Jacob, der arm – aber sorglos – mit seinen Eltern am Meer lebt. Eines Tages fängt er einen Zauberfisch, der ihm Wünsche erfüllt. In der eindrucksvollen, rasanten Mitmach-Inszenierung von Kerstin Steeb, die in der vergangenen Spielzeit das Singspiel „Abu Hassan“ realisierte, ist der Fisch nichts weiter als ein Luftballon mit Schwanzflosse. Ein schöner Regieeinfall, wird doch bei jedem Wunsch hineingeblasen, so dass der Fisch immer dicker wird und das unbehagliche Gefühl entsteht, dass er irgendwann platzen wird.

Erzählt und gesungen wird die Geschichte von der temperamentvollen Mezzosopranistin Anna Hybiner, die mit einfachen Requisiten in sämtliche Rollen schlüpft. Zu den gelben Matschhosen und Hüten holt sie immer mehr Materielles aus den Seesäcken, Pumps und Kronen zum Beispiel oder einen weißen Himmelbettschleier, mit dem sie im Nu das Strandzelt in ein Schloss verwandelt.

Mit ihrer dunkelgefärbten Stimme singt sie wie nebenbei in den schönsten Tönen, hetzt als Jacob immer wieder zum Meer, das von den ringsum sitzenden Zuschauern dargestellt wird. Mit Armen und Stimme schlagen sie – dank Hybiners lebhafter Animation – immer wildere Wellen. Schön auch, wie die wandelbare Darstellerin in einer Art Puppentheater den Mund der Mutter aufreißt oder wie sie als ängstliches Kind durch die finsteren Gänge des Schlosses irrt. Oder wie sie glücklich vorm Zelt singt, an der Seite von Hannes Brugger, der leise dazu Melodica spielt.

Spannend untermalt der Schlagzeuger die Geschichte mit eiligen Marimba- und geheimnisvollen Vibrafon-Klängen, mit Trommel, Becken und weiteren Instrumenten; teils spielt er auch kleine Rollen. Die Pforzheimer Inszenierung führt kindgerecht mit wenigen Mitteln an die Gattung Oper heran – und zeigt auf, was im Leben wirklich glücklich macht.