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"Das Herz eines Boxers" - Pressestimmen

Pforzheimer Zeitung

Montag, 15. Oktober 2018

Was verbindet die Generation der über Siebzigjährigen mit der heutigen Jugend? Bei der Premiere von „Das Herz eines Boxers“ am Freitagabend im Podium des Stadttheaters lautet die Antwort: dem ersten Anschein nach nicht viel. Ohne Punkt und Komma klopft der unruhige, etwas ungeschickte Jojo (Alexander Doderer) bei seinen Sozialstunden im Altersheim coole und provokative Sprüche. Währenddessen sitzt der scheinbar lebensmüde gewordene Leo (Fredi Noël) ruhig in seinem braunen Ledersessel und beäugt ihn misstrauisch. Nichts deutet auf eine Gemeinsamkeit hin.

Feine Nuancen in der Mimik des alten Manns lassen jedoch erahnen, dass mehr hinter der stillen Fassade steckt. Geduldig wartet Noël den richtigen Moment ab, um dem versteckten Lebensgeist seines Charakters Raum zu verschaffen. Bis dahin setzt Doderer einen schnellen Takt und gelungene Witze für eine kurzweilige einstündige Vorstellung. (...)

Bei seiner Inszenierung des 1998 mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis ausgezeichneten Stücks von Lutz Hübner setzt Sascha Mey vor allem auf Humor und die Ausdrucksstärke der Schauspieler. Mit einer geringen, aber anschaulichen Ausstattung in der Technik, Kulisse und Requisite ist sie als mobiles Klassenzimmerstück gedacht. (...)

Jeder Tag bringt einen neuen Schritt in der Beziehung zwischen Jung und Alt mit sich. Jojo lernt von seinem lebenserfahrenen Freund, sich zu behaupten, die richtigen Entscheidungen zu treffen und auf seine erste große Liebe zuzugehen. Sein Einfallsreichtum und neu gewonnener Mut verhilft Leo auch zu seiner langersehnten Flucht. So fällt die Bilanz letztlich zugunsten der Gemeinsamkeiten aus. Das menschliche Streben nach freiem, selbstbestimmtem Leben, nach Liebe und echter Freundschaft wiegt mehr als die Altersdifferenz. Dementsprechend spendet das gemischte Publikum auch gleichermaßen begeisterten Applaus.

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 15. Oktober 2018

„Das Herz eines Boxers“ wird bejubelt bei der Premier im Pforzheimer Theater. Die als „mobiles Jugendstück“ angelegte Inszenierung nach einem Text von Lutz Hübner erzählt die Geschichte einer Konfrontation. Jojo (Alexander Doderer), ein 16-Jähriger, der bislang nichts auf die Reihe bekam, muss in einem Altenheim Sozialstunden ableisten. Er soll das Zimmer des „roten Leo“ (Fredi Noël) streichen. Jojo protzt mit Sprüchen, die dem Leo jede Würde nehmen. Dieser lässt zunächst wortlos alle verbalen Angriffe über sich ergehen. Einen Tag darauf erzählt Jojo mit viel Wut im Bauch von seiner „Heldentat“: Um dem Anführer seiner Clique zu gefallen, hat er dessen Strafe wegen eines geklauten Mofas auf sich genommen – und wird zum Dank von der ganzen Gruppe als Idiot verhöhnt.

„Du hast ja richtig Charakter“, findet Leo seine Sprache wieder. Aus der Ablehnung entwickelt sich Freundschaft, die das Leben beider verändert. Leo plaudert aus dem Nähkästchen, er wird aktiv, ja sogar väterlich, während Jojo mächtig beeindruckt von dem ehemaligen Preisboxer ist. „Ein wahrer Boxer ist ein Gentleman“, erklärt Leo und zerstreut mehr und mehr die Rachegedanken des Jüngeren. (...)

Je mehr Jojo von dem alten Boxer erfährt, desto größer wird sein Respekt ihm gegenüber. Der junge Mann zeigt zunehmend weichere Züge und ist abermals zu einer „Heldentat“ bereit.(...) Es werde auch sein Schade nicht sein, denn das Geld aus dem Verkauf könne er behalten, wenn er ihm nur die Schlaftabletten bringt. Leo geht darauf ein und doch kommt es ganz anders. Dieses Mal begeht er tatsächlich eine Heldentat und der riskante Plan gelingt: Leo hat seine Freiheit wieder, Jojo das Mädchen seines Herzens und ein Vorbild.