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titel-kulturmagazin.net

Samstag, 30. Januar 2016

(...) Letzteren Song sang er im Duett mit einer seiner späteren Ehefrauen Ava Gardner (1922-1990, verheiratet mit Sinatra von 1951 bis 1957). Mit ›Strangers in the night‹ beschließen Samuel Schürmann als Frank Sinatra und Jula Zangger als Ava Gardner ihre musikalische Interpretation von Sinatras Lebensgeschichte nach dem Stück ›My Way‹ von Andy Hallwaxx, unter der Inszenierung von Markus Löchner und der musikalischen Leitung von Frank Rosenberger, im Podium des Stadttheaters Pforzheim. Dafür ernten beide einen nicht endend wollenden tosenden Applaus (...) 

Samuel Schürmann verkörpert die Rolle des Frank Sinatra gesanglich herausragend, gekonnt und sympathisch mit Parodie, Ironie, unschuldigem Charme und Erotik, wie sie auch der Person Sinatras zu Lebzeiten auf den Leib geschrieben waren. Gerade in der Interpretation des Sinatra-Klassikers ›My Way‹ am Ende des Stückes ist Sinatra zwar wieder zu seinem beruflichen Erfolg zurückgekehrt, hat Ava (selbstbewusst, erotisch, frech, aber gesanglich nicht ganz so stark wie Schürmann: Jula Zangger) aber verloren. Erst enttäuscht sie ihn, nach durchzechter Nacht, mit einer erotischen Begegnung mit seiner Exfreundin und der Weitergabe intimer Details über Sinatra an die Medien. Passend dazu schwebt sie grazil und aufreizend mit kokettem Blick dem Publikum zugewandt in rosa-durchsichtigem Mantel, den sie aufreizend auf den Bühnenboden fallen lässt, über die Bühne.

Das Bühnenbild (Bühneneinrichtung und Kostüme: Dirk Steffen Göpfert) unterstützt Schauspiel, Parodie und Gesang dem Anlass angemessen im Stil der 50er Jahre mit goldenem, glitzerndem Vorhang, Garderobenspiegel mit Fotos dekoriert, Blümchentapete, Piano und aufklappbarer Bartheke. Diese ist es auch, die Ava umfunktioniert und in ein Schaumbad verwandelt, in das sie sich in keckem rosa Bikini hinein setzt und dort, mit einer Champagnerflasche in der Hand, verführerisch räkelt. Erst als Sinatra sie zur Rede stellt – für seine Eskapaden war der Sänger auch im echten Leben berühmt – nachdem er sie zuvor mit einer edlen Kette anlässlich ihres ersten Hochzeitstages überrascht hat, schwingt sie sich aus dem Bad heraus, direkt auf den Schoß eines Zuschauers. I

Immer wieder beziehen beide Schauspieler und Sänger das Publikum mit ein, zum Beispiel, wenn Schürmann bei einzelnen Liedpassagen einzelne Zuschauer mit zugleich emotionalem und festem Blick direkt ansieht und quasi in den Song integriert. Oder wenn er auf seine erotischen Begierden und sexuellen Abenteuer selbst zu sprechen kommt. Zum Beispiel dann, wenn er einige prominente Sexualpartnerinnen benennt, dabei suchend ins Publikum schaut und arrogant-snobistisch davon spricht, dass er mit diesen Damen schon lange nicht mehr geschlafen habe. Ava selbst ist es, die ihm gerade diese Affären nicht zuletzt übel nimmt und sich dann von ihm trennt. Sinatras Affären zerstören Sinatras wahre Liebe Das tut sie, kurz nachdem sie einen entrüsteten Blick ins Publikum geworfen hat und ihm eine Affäre mit der Schauspielerin Mia Farrow vorwirft, mit der Sinatra tatsächlich von 1966 bis 1968 verheiratet war.

Im eleganten schwarzen Abendkleid mit silbernen Pailletten, in dem sie schon in der ersten Szene die Bühne betritt und Frank kennenlernt, packt sie ihre Koffer und bombardiert den Sänger noch einmal, den Rücken dem Publikum zugewandt und Sinatra an der linken Bühnenseite stehend, mit Vorwürfen. Dabei erinnert sie an die Zeit eines Filmdrehs in Afrika – auch Gardners beruflicher Erfolg im Kontrast zu Sinatras auch aufgrund seiner Erkrankung der Stimmbänder erlittenen Karriereeinbruch trübten Ehe und Liebesverhältnis der beiden. Während der Zeit in Afrika war Gardner schwanger mit Sinatras Kind. Im Stück steht sie Seite an Seite mit ihrem Ehemann, beide haben jeweils ein aus den 50er Jahren stammendes Modell eines Telefons am Ohr und sorgen durch ihr gegenseitiges akustisches Nicht-Verstehen für eine dementsprechende Situationskomik. Sie hält ein Nutella-Glas in der Hand, in das sie eine Gurke taucht, ein Zeichen für ihre Schwangerschaft. Sinatra, abgelenkt durch ein berufliches Erfolgserlebnis, hört ihr erst nicht zu und redet selbst noch weiter, als sie längst wieder hinter dem Vorhang verschwunden ist. Erst mit Koffer bepackt, im Zeichen des Abschieds, verrät sie ihm dieses Ereignis und erzählt, dass sie das Kind habe abtreiben lassen, weil sie den Sänger bereits zu diesem Zeitpunkt aufgrund seiner Eskapaden und seines Lebensstils, auf der Suche nach Erfolg, ohne Rücksicht auf Verluste, gehasst habe. Emotional ergriffen über den Verlust seiner augenscheinlich großen Liebe singt Schürmann alias Sinatra sein ›My Way‹, das dementsprechend prägnant den Titel des Stückes ziert.

(...) Viermal verheiratet, mit drei Kindern von seiner ersten Frau Nancy (verheiratet von 1939 bis 1951), die im Stück von Ava und der Live-Band (top! Saxofon: Angela Weiss, Trompete: Thomas Neuberth, Posaune: Clemens Braun, Klavier: Frank Rosenberger, Gitarre: Jonas Khalil, Bass: Klaus Dusek und Schlagzeug: Holger Nesweda) thematisiert und geradezu anklagend und anprangernd zur Sprache gebracht werden, zeigt der Verlauf des Stückes doch: Ava Gardner war Frank Sinatras große Liebe. Schade, dass seine zahlreichen Affären ihn dieses Glück nicht leben ließen. Beziehung leben und lieben zu können, bleiben damit stetige Lebensaufgaben eines Jeden. Das Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Podium des Stadttheaters Pforzheim lässt sich von dieser Trauer nicht die Stimmung trüben und applaudiert mit Händen und Füßen solange, bis eine Zugabe das Stück beschließt. Ein großer Erfolg und gelungener Abend!

Pforzheimer Zeitung

Samstag, 2. Januar 2016

Whiskey und Schampus, heiße Küsse und brutale Schläge, Macho-Mann und Sexbombe, „The Voice“ und „The World’s Most Beautiful Animal“ – eine hochexplosive Mischung, die ein Happy End nicht vorsieht. In seinem Stück „My Way – The true story of Frank Sinatra and Ava Gardner“ beschreibt der österreichische Schauspieler und Autor Andy Hallwaxx das kurze, aber heftige Aufeinandertreffen zweier Hollywood-Größen, deren skandalumwitterte Ehe gerade mal drei Jahre halten sollte. (...)

Auch die Zuschauer dürfen ihren Teil zum Stück beitragen: Da segelt der Brautstrauß über die Köpfe hinweg, dort räkelt sich Jula Zangger auf dem Schoß eines älteren Herrn, da wird eine Zuschauerin in der ersten Reihe kontinuierlich ins Spiel einbezogen. (...)

Wären da nicht die großen Hits: hinreißende Evergreens und Balladen, wie „Night and Day“, „Mack the Knife“, „I’ve Got You Under My Skin“, „New York, New York“, „I’ve Got a Crush on You“, die von der siebenköpfigen Band unter Leitung von Frank Rosenberger mit viel Verve – und gelegentlichen Texteinlagen – interpretiert werden. Und wenn Schürmann zum Schluss dann das Titellied anstimmt, dann ist das Premierenpublikum nicht mehr zu halten: Mit viel Applaus honoriert es die kraftvolle Version von „My Way“ (...)

Badische Neueste Nachrichten

Samstag, 2. Januar 2016

Es war Showtime im Theater Pforzheim. Und das Publikum im voll besetzten Podium feierte die gut zwei Stunden des Wiedersehens mit Frank Sinatra und Ava Gardner (...). Hier der „Frauenheld, Säufer, Mafiafreund, Antirassist“, worauf der im Dezember 1915 im ländlichen Hoboken, New Jersey geborene Sinatra kürzlich in der taz heruntergebrochen wurde. Und dort die Film-Diva und Femme fatale, ebenfalls aus kleinen Verhältnissen stammend und allein schon durch ihre drei Ehen und unterstellten sexuellen Ausschweifungen arg polarisierend.

Das Stück von Andy Hallwaxx folgt hierbei dem seit einigen Jahren populären und erfolgreichen Muster, das Leben eines Stars anhand seiner größten Songs zu erzählen, wobei die dünnen Drehbücher durch Biografisches oft nur angestrengt und daher unzureichend zusammengehalten werden. Ein Erfolgsrezept, durchsichtig, aber eines, das beim Publikum durchaus auf Sympathie stößt. (...) Das ebenso skandalträchtige wie rauschhafte Zusammenkommen und dessen Filetieren durch Öffentlichkeit und Presse, weil der verheiratete Sänger auf seine Ehe mit Jugendliebe Nancy so gar keine Rücksicht zu nehmen schien. Der Bruch in dessen Karriere, während Gardners Stern erst richtig zu glühen begann. Das womöglich unter Mithilfe der Mafia erfolgreiche Comeback im Klassiker „Verdammt in alle Ewigkeit“ mitsamt anschließendem Oscar als bester Nebendarsteller, aber auch Gardners Abtreibung des gemeinsamen Kindes oder auch die berüchtigten Alkohol- und Stimmprobleme von Frankie Boy.

Dazu die großen Hits und Evergreens wie „That’s Life“, „The Best Is Yet To Come“, „Mack The Knife“, „Strangers in The Night“ oder eben „My Way“. (...) Frank Sinatra hatte das Show- und Musikgeschäft mit seinem Sexappeal, seiner Geschmeidigkeit und vor allem seiner herausragenden Interpretationskunst geradezu revolutioniert. Auf sein Konto gehen die erste Massenhysterie in der Musikgeschichte, als er im Herbst 1944 in New York Zehntausende von Teenagern in Ekstase versetzt hatte, aber auch sein Einfluss auf spätere Rock-Größen wie Bob Dylan ist gut dokumentiert. (...)