Inhalt

Pforzheimer Zeitung

Samstag, 14. November 2015

Sie ist jung, attraktiv, unabhängig. Und dennoch hat Cora Hübsch – ohne ersichtlichen Grund – Torschlusspanik. Mit dieser Protagonistin hat Ildikó von Kürthy einen Erfolgsroman gelandet. Nun ist die Dramatisierung von „Mondscheintarif“ als Monolog mit Jasaman Roushanaei im Podium zu sehen.

Im Publikum regiert vergnügte Zustimmung, wenn Cora hadert: „Die größte weibliche Problemzone heißt Mann.“ Oder wenn sie laut nachdenkt: „Ich darf mich auf gar keinen Fall gehenlassen“ – und dazu eine halbe Schachtel Pralinen ungehemmt in sich hineinstopft. Schon mit dem nächsten Atemzug verwünscht sie den heftig Angeschwärmten derb als „Sackgesicht“ und die stets ungeniert lauschende Nachbarin Frau Zapka gleich mit. (...)

Auch Coras nächstes Stoßgebet, heute keine Überraschung mit ihrer Frisur erleben zu wollen, quittieren die Zuschauer mit bestätigendem Lächeln. Dann die von Jasaman Roushanaei überzeugend und mit Mutterwitz vorgetragene Ernüchterung: „Nach dem Lockenstab seh’ ich aus wie Maria Magdalena auf Ekstasy.“

Die vielseitige Deutsch-Iranerin spielt die komplette Handlung des Bestsellers von Ildikó von Kürthy als 70-minütigen Monolog: Ganz auf sich alleine gestellt, mitreißend, immer spannend und ausdrucksstark. Einzige Requisiten: zwei Telefone und ein Klappbett. Einzige Untermalung: die von Regisseur Dirk Schirdewahn mit traumwandlerischer Stilsicherheit getroffene moderne Musikauswahl. Er zitiert beispielsweise aus Gisbert zu Knyphausens melancholischem Titel „Kräne“ oder lässt Pete Yorn und Hollywood-Kollegin Scarlett Johansson mit dem Song „Clean“ an bestens gewählter Stelle musikalisch zu Wort kommen. Das Premierenpublikum honorierte das „Mondscheintarif-Solo“ im Podium mit reichem Beifall.

Badische Neueste Nachrichten

Samstag, 14. November 2015

Ein karg möbliertes Zimmer, großes Sofa, kleines Bett, Blümchentapete, ist das Heim von „Cora Hübsch“, gespielt von Jasaman Roushanaei. Das Ganze gehört zu dem Monolog „Mondscheintarif“, der nach Motiven einer Inszenierung von Dirk Schirdewahn nach Ildikó Kürthys Roman am Donnerstagabend im Podium Premiere hatte.

Mit Musik tritt Cora auf, ein Getränk in der Hand, sie überprüft das Telefon auf Funktionstüchtigkeit und lässt sich mit dem Handy auf der Sofalehne nieder. Fast beschwörend wiederholt sie für sich die erste Regel, aufgestellt mit ihrer besten Freundin Johanna, nach dem ersten Sex unter keinen Umständen den Mann anzurufen. Sie hastet zum Telefon, aber es ist nur ihre Freundin Jo.

Nach dem Verschwinden im Bad, hinter einem Vorhang auf der rechten Bühnenseite, schwebt sie mit Schal herein und schwärmt von dem Fest, auf dem sie ihren Traummann Daniel im wahrsten Sinn des Wortes getroffen hatte. Bei ihrem Unterfangen, als „Jeanne d´Arc“ der Klofrau diese an den Genüssen des Buffets teilhaben zu lassen, rennt sie Daniel ziemlich schmerzhaft über den Haufen.

Das Wiedersehen erfolgt zufällig, er ist die Vertretung ihres Hausarztes, sie gibt ihm die Telefonnummer – aus Versehen aber die ihrer Freundin.

So misslingen alle ihre Versuche, cool und überlegen zu wirken. Zwischen diesen Reminiszenen zweifelt sie an sich und an Daniel. Warum er nicht anruft? Sie ist wohl zu dick, er hat eine andere, wahrscheinlich diese dürre Blondine, die Schauspielerin mit Namen Carmen, die ihn bei dem ersten Fest begleitete. (...)

Jasaman Roushanaei spielt die hoffende und zweifelnde Cora sehr überzeugend, sowohl leise und zurückhaltend als auch laut und aggressiv, mit einer guten Portion Humor. Für ihre hervorragende Interpretation erhielt die Schauspielerin vom zahlreichen Publikum viel Beifall.