Inhalt

"Verwandlungen - Der Feuervogel/Metamorphosen" - Pressestimmen

Pforzheimer Zeitung

Montag, 28. Januar 2019

Die Mischung macht’s. Die Kombination der Tanzstile aus verschiedenen Epochen hat Charme – jedenfalls in der Abfolge von klassisch inspiriertem Spitzentanz, abstrakt tänzerischer Ausdruckskraft und zeitgenössisch-urban beeinflusster Barfußmoderne. Guido Markowitz’ neuer Ballett-Dreiteiler „Verwandlungen“, der am Pforzheimer Stadttheater seine Uraufführung erlebte, begeistert mit unorthodoxer choreografischer Fantasie. Und die wird zusätzlich von musikalischer Energie entfaltet und angetrieben.

Der erste mit „Der Feuervogel“ überschriebene Teil hält sich an die klare Struktur des gleichnamigen Michail-Fokine-Balletts, also an die russische Märchenerzählung vom Zarewitsch-Prinzen (in Pforzheim „Der Mann“), der im geheimnisvollen Garten des bösen Zauberers Kaschtschei auf den Feuervogel trifft und mit dessen Hilfe die verzauberte schöne Prinzessin und ihre Begleiter erlöst. Eleonora Pennacchini ist im schwarz-roten Federkleidchen und Kopfputz ein auch auf der Spitze tanzender Feuervogel. Der wird vom frisch und munter mit eroberungslustigem Machismo auftrumpfenden „Mann“, den Elias Bäckebjörk tanzt, kaum gebändigt. In ihrer von zarter Tanzpoesie geprägten Rolle als „Die Frau“ ist Alba Valenciano Lopez in hautfarbenen Underwear-Shorts und Bustier ein anrührend vor sich hin träumendes Mädchen. Sie und „Der Mann“ versuchen zueinander zu kommen. Natürlich stört „Der Magier“ (Abraham Rodriguez Iglesias) mit seinem „Unheils“-Gefolge die aufkeimende Liebesbeziehung. (...)

Der zweite, dem römischen Klassiker „Ovid“ und seinen mythischen Metamorphosen gewidmete Teil zu Strawinskys „Dumbarton Oaks“ (...) muss eine ganze Reihenfolge von Verwandlungssagen mit Göttern, Nymphen und menschlichen Heroen tänzerisch umsetzen. Die Choreografie mit sich überblendenden Soli, Duos, Trios und Quartetten vermittelt in harten Konturen bewegte Bilder und Emotionen.

Ganz ohne anekdotische Beigaben kommt der abschließende, als „Metamorphosen“ übertitelte Teil des Ballettabends aus. Die Akteure sind in schwarze Anzüge mit langen Hosen und Cutout-Sakkos gekleidet und setzen zu den monoton repetierten Tonfolgen der „Metamorphosis“ von Philip Glass, die Yonatan Cohen am Flügel interpretiert, metallisch silberne Tierkopfmasken auf und ab. (...) In diesen Szenen leuchtet die Handschrift von Markowitz, der vom Tanztheater herkommt und von seinen Ausstattern (Bühne von Philipp Contag-Lada, Kostüme von Marco Falconi) kongenial unterstützt wird, mit besonderer Intensität auf. Eine spannende und erregende Tanzinszenierung, die das Publikum mit Ausrufen wie „super“, „Wahnsinn“ und nicht enden wollenden Standing Ovations honorierte.

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 28. Januar 2019

Die Masken sind abgelegt. Die goldenen Helme, silbernen Tierköpfe und klassischen Erwartungen verschwinden, als sich der dreiteilige Tanzabend im Stadttheater Pforzheim auf den letzten Vorhang der Premiere zubewegt. Guido Markowitz zeigt zeitgenössisch choreografierte „Verwandlungen“ – vom Bösen zum Guten, vom Leben zum Tod, vom Miteinander zur Trennung. Das Ensemble durchlebt sie und gewinnt mit dem Verlust an extravaganten Kostümen, aufwendigem Bühnenbild und imposanter Orchestermusik an emotionaler Tiefe und Bewegungsqualität.

Doch bevor es dazu kommt, erweckt Markowitz ein Ballettmärchen zu neuem Leben. Aus schwarzer Folie erheben sich im düsteren Zaubergarten die ersten Gestalten von „Der Feuervogel“ zur Musik von Igor Strawinsky. Anders als im Original tanzt auch die Figur der jungen Frau auf Spitze – ein letztes Relikt aus dem klassischen Ballett. Der Magier, der sie gefangen hält, wird durch Abraham Rodriguez Iglesias und seine Körperlichkeit zu einem seltsamen interessanten Bösewicht. Die Arbeit in den kämpferischen Auseinandersetzungen der Figuren – zwischen dem Feuervogel (Eleonora Pennacchini), dem Mann (Elias Bäckebjörk), dem Magier und der Frau (Alba Valenciano Lopez) – ist noch zu sehen. (...)

Im zweiten Stück des Abends lösen sich bekannte Götterfiguren aus ihrer Erstarrung, erzählen ihre Geschichte und verharren wieder. Markowitz’ Vorbild für die zeitgleich getanzten Passagen sind Werke des Dichters Ovid. (...)

Mit „Metamorphosen“ kommt das zwölfköpfige Ensemble bei sich an. Markowitz choreografisches Profil wird mit der eher schlichten modernen Inszenierung erkennbar. In der Stille sowie zur Musik von Philip Glass, auf der Bühne dargeboten von Pianist Yonatan Cohen, entfalten auch die Tänzer ihren Charakter. Die Spuren des Durchlebten spiegeln nicht nur die teilweise zerschnittenen Anzüge wider, sondern auch ihre Gesichter und Körper. Die Figur des Zeus beherrscht die Vorgänge: Beziehungen finden sich, lösen sich auf, entstehen neu. Es wird gekämpft, liebevoll zueinander gefunden, sich wieder verloren. (...) Immer wieder greifen Charaktere auf die zu Beginn des Stücks getragenen Tiermasken zurück. Im stillen Schrei hat sich die Gemeinschaft zumindest von diesen befreit, wenn auch nicht von den inneren Kämpfen. Einen erlösenden Feuervogel gibt es hier nicht. Und das ist auch gut so. Teil drei des Premierenabends ist wahrhaftiger, ungeschönter Tanz.