Der Theatersaal füllt sich mit Lachen und erwartungsvollem Staunen. Das Licht geht aus. Die Geschichte auf der Bühne beginnt. Jetzt spielt es keine Rolle, woher jemand kommt, wie viel Geld die Familie hat oder welche Schule besucht wird. Für einen Moment heißt es, etwas Besonderes zu erleben. Was nach Freizeitgestaltung klingt, ist tatsächlich ein Kinderrecht: Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention spricht Kindern ausdrücklich das Recht zu, am kulturellen und künstlerischen Leben teilzuhaben. Kultur ist kein Luxus, den sich eine Gesellschaft leistet. Sie ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Sie ist ein Grundrecht.
Doch wird dieses Recht tatsächlich wahrgenommen?
Die Landesverfassung Baden-Württembergs garantiert jungen Menschen unabhängig von Herkunft und wirtschaftlicher Lage das Recht auf Bildung. Gleichzeitig soll Jugendarbeit Räume für Bildung, Freizeit und gesellschaftliche Teilhabe schaffen. Der Grundsatz ist klar, hängt jedoch noch immer stark davon ab, wo ein Kind aufwächst und welche Möglichkeiten sich ihm eröffnen. Das Junge Theater Pforzheim sieht sich in der Verpflichtung, genau dem entgegenzuwirken und Kindern aller Milieus – unabhängig jeglicher gesellschaftlichen, religiösen und ethnischen Hintergründe – Theater zugänglich zu machen, und formuliert diesen Anspruch konkret. Beispiele seines aktuellen Programms zeigen, wie vielfältig kulturelle Bildung sein kann, und dass diese nicht erst in der Schule beginnt.
Mit dem Krabbelkonzert erleben bereits die Allerkleinsten Musik mit allen Sinnen: Sie hören, spüren und entdecken – Klänge und Rhythmen werden spielerisch, unmittelbar und ohne Worte zur ersten Begegnung mit Kunst. In den Kinder- und Familienkonzerten, wie zum Beispiel „Peter und der Wolf“ tauchen Kinder in klassische Musik ein. Sie erleben Geschichten, die durch die Badische Philharmonie Pforzheim hörbar gemacht werden, und die so die eigene Fantasie anregen und eigene Bilder entstehen lassen.
Mit konkreten Fragestellungen und Perspektivwechseln des Außenseitertums, Teilhabe und Zugehörigkeit beschäftigen sich die Stücke des Jungen Theater. Was es heißt, anders zu sein und nicht dazuzugehören, erzählt das Familienstück zur Winterzeit „Rumpelstilzchen – Gleich zerreißt es mich!“. Es ermutigt Kinder dazu, Andersartigkeit zu akzeptieren und Gemeinschaft zu leben. Im Kinderstück „Ich male meinen Himmel orange“ für Kinder ab 8 Jahren wird eine Lese-Rechtschreibschwäche nicht als Defizit wahrgenommen, sondern öffnet neue Perspektiven.
Doch Theater ist weitaus mehr als nur ein Theaterbesuch. Das Junge Theater Pforzheim animiert Kinder und Jugendliche mit seinen Vermittlungsformaten, Fragen zu stellen, zu diskutieren, selbst zu schreiben und zu spielen oder auch Musik zu machen. Kinder und Jugendliche dürfen hier unterschiedliche Perspektiven ausprobieren und sich ihre eigene Meinung bilden.
Das Junge Theater Pforzheim versteht kulturelle Bildung deshalb nicht als Zusatz, sondern als seinen konkreten Beitrag zu einem Kinderrecht: Theater soll dabei nicht nur ein Ort sein, an dem Kinder zuschauen, sondern einer, an dem sie selbst entdecken, fragen, gestalten und sichtbar werden.