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Paul Breitner spielt in Pforzheim! / Das ganze Interview

Ensemble-Mitglied Jan-David Bürger über seine Serienrolle

Dass er mal Paul Breitner sein würde, hatte sich Jan-David Bürger, seit 2022 Mitglied des Pforzheimer Schauspielensembles, nie gedacht. Aber seit dem 18. November ist er beim Streaming-Dienst von RTL+ als junge Inkarnation des legendären Fußballstars zu sehen – in der groß angelegten Serie „Gute Freunde – Der Aufstieg des FC Bayern“. Die ersten drei Episoden wurden auch bereits im FreeTV gezeigt.

Wir sprachen mit Jan-David Bürger über seine Erfahrungen und Erlebnisse.

Du hast am Anfang deiner Laufbahn viel Erfahrung im Bereich Film und Fernsehen gesammelt (Der Lehrer, Rote Rosen etc.). Was hat dich bewogen, dann noch einmal an die Theaterakademie zu gehen und zum Theater zu wechseln?

BÜRGER. Den Entschluss, Schauspieler zu werden, habe ich mit 14 ganz bewusst getroffen. Ich spielte Theater in der alten Post Neuss. Dort war ich das erste Mal damit konfrontiert, aus meiner Komfortzone auszubrechen. Das darin steckende Entwicklungspotential hat mich enorm angezogen. Zwei Jahre später bewarb ich mich bei meiner jetzigen Schauspielagentur und bekam meine ersten Filmrollen. Der Dreh bei „Rote Rosen“ hat mich dann inspiriert, endlich auf Vorsprechreise zu den Schauspielschulen zu gehen. Das hat dann 2018 auch bei der Theaterakademie August Everding Früchte getragen, wo ich schließlich einen Studienplatz bekam und bis 2022 Schauspiel studiert habe. 

Was für grundlegende Unterschiede siehst du in der Arbeit für Film und Fernsehen und auf der Bühne? Was fasziniert dich bei beiden Arbeitsmöglichkeiten besonders?

BÜRGER. Die Grundprinzipien von Theater und Film sind meist gleich: Eine Figur hat ein Ziel und will es unbedingt erreichen. Jedoch sind die Mittel, die die Figur nutzt, oft unterschiedlich. Beim Theater läuft das mehr über eine noch größere Klarheit in der Sprache. Dafür braucht man Technik. Zudem ist man körperlicher und intensiver und im direkten Kontakt mit dem Publikum, was ich liebe. Beim Film läuft es oft viel subtiler und feiner ab. Die Situation gibt einem schon alles, was man in dem Moment braucht, da man sich wirklich in einem Büro, Schwimmbad, etc. befindet. Jedoch muss man viel schneller in die Situation ein- und aussteigen. Ich mag beides sehr gerne und würde gerne beides weiterführen. 

Wie kam es zu deiner Besetzung in „Gute Freunde“?

BÜRGER. Für die Serie wurde ich von Nina Haun entdeckt. Bei ihr machen alle Absolvent:innen der Schauspielschulen einen e-Casting Workshop und kommen dann in ihren Pool bei der UFA Filmproduktionsfirma. Dort bin ich ihr aufgefallen, nicht zuletzt auch wegen meiner Ähnlichkeit zu Paul Breitner. Dann gab es drei Casting-Runden, in denen vor allem Schauspiel und Bayrisch auf die Probe gestellt wurden. Ich weiß im Nachhinein, dass es sehr knapp war, weil man sich nicht sicher war, ob ich das mit dem Bayrischen Dialekt hinbekommen werde. 

Du hast mir erzählt, dass du schon vor dem Dreh eine ganze Reihe von Workshops und Vorbereitungen hattest. Was braucht man, um fürs Fernsehen Paul Breitner zu sein?

BÜRGER. Um Paul Breitner zu sein, reicht es nicht, sich Videos anzuschauen und zu versuchen, ihn nachzumachen. Man muss herausfinden, was ihn antreibt und was in ihm dazu führt, dass er sich so verhält, bewegt, ausdrückt, wie er sich ausdrückt. Das ist eine Mörderaufgabe, nicht nur wegen des kurzen Zeitfensters. Das Gute ist, dass ich durch den Sport und das Lernen des Fußballspielens auch besser das Mindset eines Sportlers nachvollziehen konnte. Aber auch seine Verletzlichkeit und Unsicherheit wollte ich herausfinden. In einem Interview hat Paul Breitner selbst gesagt: Die Zeit vom Hotel zum Fußballplatz war die Schlimmste, weil er dann nachdenken konnte. Zusätzlich gab es einen Ernährungscoach und diverse Fußballtrainings. Aber nicht zuletzt halfen mir beim Bairischlernen auch viele Freunde. Am Ende war es eine Mannschaftsaufgabe, diese Rolle zum Leben zu erwecken: Freunde, Film-Crew, Regie, Drehbuchautoren und der tolle Cast. 

Wie hat Paul Breitner darauf reagiert, als er dich als sich gesehen hat? Hast du von ihm ein Feedback bekommen?

BÜRGER (lacht). Paul Breitner hat schon große Augen gemacht und war begeistert. Auch seine Frau Hilde hat mir gesagt, dass sie die Ähnlichkeit verblüffend findet. Er hat sich öffentlich immer sehr positiv geäußert.  Aber ich bin gespannt, was er sagt, wenn wir mal ins Detail gehen. Ich würde gerne herausfinden, was man für eine eventuell anstehende zweite Staffel noch verbessern könnte. Das T-Shirt von ihm, das er mir bei der Premiere geschenkt hat, ist bei mir hoch und heilig gesichert. Ich habe mich nicht mal getraut, es zu waschen. 

Jan-David Bürger spielt am Theater Pforzheim gerade den Cléante in Molières DER GEIZIGE. Die nächsten – und letzten – Vorstellungen gehen am 2. Dezember 2023 und 6. Januar 2024 über die Bühne. Seine nächste Premiere hat mit DER JUNGE MIT DEM LÄNGSTEN SCHATTEN am 9. Februar!