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"Eine Woche voller Samstage" - Pressestimmen

Pforzheimer Zeitung

Mittwoch, 29. November 2018

(...) Und für welche Kinder ist es nicht spannend, die witzigen Abenteuer dieses schrägen kleinen Wesens mitzuerleben? Zumal, wenn es mit so viel Elan und Witz über die Bühne wirbelt wie im Theater Pforzheim. (...) Lachsalven, Kreischalarm und Begeisterungsstürme inklusive.

Beim Sams erinnert sich Paul Maar an seine Kindheit und jenen Bekannten, der schüchtern, oft traurig und ziemlich allein war. Sein reales Vorbild für Herrn Taschenbier, dem er ein wenig Freude am Leben bereiten möchte. Wie das geht? Mit einem rundlichen Knirps mit rotem Wuschelhaar, Schweinchennase, blauem Taucherangzug, Wunschpunkten – und jeder Menge Unsinn im Kopf. Sophie Lochmann verkörpert das Sams mit sichtbarem Spaß, jeder Menge kindlichem Elan und kräftigem Dickkopf. Und die Rebellion gegen urdeutsche Ordnung – etwa gegen die Staublappen schwingende Vermieterin Frau Rotkohl mit Birkenstock und Lockenwicklern – bringt neuen Schwung in Papa Taschenbiers Leben. Fredie Noël spielt die Wandlung vom grauen Duckmäuser zum lebensbejahenden Mann mit viel Gefühl und gutem Timing. Anne-Kathrin Lipps ist die schwäbelnde Frau Rotkohl, die – als Running Gag – immer wieder gegen die geschlossene Zimmertür knallt.

Regisseur Markus Löchner hat ein Gespür für komische Situationen, weiß wo er Lacher erntet, setzt immer wieder aufregende Akzente – etwa beim Feueralarm im Kaufhaus –, und geht so liebevoll mit den Figuren um, dass man am Ende alle knuddeln möchte. Zudem ist immer wieder die Meinung der jungen Zuschauer gefragt, die lauthals und mit großem Eifer dabei sind. Doch es gibt auch ruhigere Momente, etwa in den Tagwechseln, die von den Kalenderfiguren (Severin Knapp und Magdalena Ritthaler) mit Pantomime und Jonglage begleitet werden. Wie sie schlüpfen auch Thorsten Klein, Clemens Ansorg und Steffi Baur in mehrere Rollen – singen, spielten, tanzen.

Manchmal kommt das Kinderstück wie ein Musical daher: Da gibt es von Janne Geest schwungvoll choreografierte Tanzszenen zu den Songs von Rainer Bielfeldt, etwa wenn das Kaufhaus-Quartett seine Waren anpreist. Für flotte Szenenwechsel sorgt zudem das fantasievolle Bühnenbild von Jörg Bromacher: Von Taschenbiers tristem Zimmer auf der Vorderbühne wird der Blick immer wieder freigegeben auf einen Märchenwald, ins Klassenzimmer oder ins Büro.

Mareile von Stritzky spielt in ihren Kostümen auf die 1970er-Jahre an – eine Modephase, an die sicher viele ältere Besucher noch mit Grausen zurückdenken. Und die auch in Erinnerung ruft, dass dieser Kinderbuchklassiker so aktuell ist wie vor 44 Jahren.

Badische Neueste Nachrichten

Mittwoch, 28. November 2018

(...) Herr Taschenbier hat eine komische Woche hinter sich. Am Sonntag schien die Sonne, an Montag hatte er Besuch von Herrn Mon, am Dienstag hatte er Dienst, am Mittwoch war die Mitte der Woche, am Donnerstag donnerte es, am Freitag hatte er frei und Samstag – da sollte sich für ihn alles ändern. Auf der Straße trifft er ein lustiges Wesen mit Schweinenase und roten Haaren. Nach so einer Woche kann das ja nur ein Sams sein, schlussfolgert er. (...)

In dem von Markus Löchner inszenierten Stück auf Basis des bekannten Buches von Paul Maar schaffen es die Schauspieler, die Kinder förmlich mitzureißen. Soll das Sams verschwinden, solidarisieren sie sich lauthals protestierend mit ihm und freuen sich mit Gelächter, wenn Frau Rotkohl wieder einmal gegen die Tür ihrer Wohnung rennt. Fredi Noël spielt Herrn Taschenbier sehr treffend. Einmal fühlt man förmlich die innere Müdigkeit der Figur, bis er sich durch das Sams ein wenig öffnet und Spaß zu haben beginnt. Sophie Lochmann ist die Rolle des Sams auf den Leib geschrieben. Eltern, die dem kleinen roten Wuschelkopf zehn Minuten zugehört haben, werden danach ihre eigene Kinder als Engelchen wahrnehmen. Heimlicher Star ist jedoch Anne-Kathrin Lipps als Frau Rotkohl, die es mit tollem Spiel und einem herrlichen, schwäbischen Dialekt schafft, die Antagonistin klar als solche erkennbar zu machen, aber kindgerecht zu verpacken. Auch die Nebendarsteller Clemens Ansorg, Severin Knapp, Steffi Baur und Magdalena Ritthaler, die sich nach der Premiere als Zweierpärchen abwechseln werden, füllen ihre Rollen hervorragend aus und wissen zu gefallen.