Inhalt

Die Zauberflöte - Pressestimmen

Pforzheimer Zeitung

Montag, 18. September 2017

Das Ganze beginnt in einem kargen Internatsraum: Drei Gouvernanten versuchen, ihre Schützlinge zum Schlafen zu bringen. Als es endlich gelingt, träumen sich die Jungen und Mädchen hinein in eine Zauberwelt, voller geheimnisvoller Flöten und Glockenspiele, wilder Tiere und Menschen, die genauso gut wie böse sind. Thomas Münstermann erzählt seine Version von Mozarts berühmter Oper „Die Zauberflöte“ aus dem Blickwinkel der Kinder: fantasievoll, heiter und doch tiefgründig. Denn der Pforzheimer Intendant nimmt die Schickaneder‘schen Figuren ernst. Lässt sie – in aller Ruhe – aussprechen, was sie bewegt: die Einsamkeit bei Papageno, die Sorge um die Tochter bei der Königin der Nacht, die Wut über die ständige Unterdrückung bei Monostatos. Und er macht klar, dass die Kindlichkeit des Werkes der Nenner ist, der die Menschen verbindet. (...) 

Und so ist es eine ganze Kinderschar, die ihre Helden auf dem Weg durch Irrungen, Wirrungen und Prüfungen begleitet. Die drei Knaben – schön gesungen von Liliane Friedl, Swaantje Schwarzien, Laurin Gallenbach und Elias Hennig – sind Teil des Kinderchors, der an diesem langen Abend Beachtliches leistet. Immer wieder entstehen dabei optisch höchst reizvolle Bilder: Mal in der von Bühnenbildner Thomas Mogendorf gestalteten malerischen bunten Welt der Königin der Nacht, mal im streng geometrischen Raum der Sarastro-Jünger. (...)

Und umso überzeugender ist die Teamleistung. Hier wird mit den – kräftig gekürzten – Finanzmitteln eine Mammut-Produktion gestemmt, die sich sehen und vor allem auch hören lassen kann. Zum Dahinschmelzen betörend ist die Stimme von Stamatia Gerothanasi, die eine glanzvolle Pamina gibt. Mit strahlender Höhe, zart und doch kraftvoll singt sie ihren Part mit jugendlicher Frische. Auch Dennis Marr als Tamino verfügt über eine junge Ausstrahlung, allerdings auch über eine Stimme, die noch reifen darf. Höchst spielfreudig und mit tragfähigem Bariton Paul Jadach als gewitz-witziger Papageno. In ihren Sprechpartien kommen Jadach und Marr manchmal allerdings über Zimmerlautstärke kaum hinaus – wobei ein häufig pfeifendes Hörgerät im Zuschauerraum das Textverständnis noch erschwerte. Mit Elisandra Melián steht dem langen Lulatsch Papageno ein quirliges Weibchen zur Seite, das vor Spielfreude nur so strotzt. Schauspielerische Ausdruckskraft mit modulationsfähiger Stimme verbindet auch Philipp Werner als Monostatos. Als ephemeres Wesen erscheint Natasha Sallès in der Rolle der Königin der Nacht. Ihre Koloraturen und Spitzentöne sitzen zwar, allerdings sorgen ihr leichter Koloratursopran und die zurückgenommene Körperhaltung dafür, dass ihre angedrohte Rache eher lauwarm ausfällt. Stattlich kommt Lukas Schmid in der Rolle des Sarastro daher, auch wenn es seinem Bass an Schwärze und Tiefe etwas mangelt. Ausgesprochen überzeugend: Klaus Geber in der Rolle des Sprechers mit voll klingender Stimme und enormer Körperspannung. Wunderbar harmonisch die drei Damen Michaela Schneider, Danielle Rohr und Gabriela Zamfirescu .

Generalmusikdirektor Markus Huber am Pult der Badischen Philharmonie Pforzheim lässt einen eigenen Zugang zu Mozarts Musik vermissen: Breit ausgedehnt die Tempi, wuchtig die Bläser, dünn die Streicher (...) Das Publikum feierte das gesamte Team mit stehenden Ovationen.

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 18. Oktober 2017

Nachts im Schlafsaal. Kaum haben die strengen Aufseherinnen den Raum verlassen, verwandeln ihn die Kinder nach einer zögerlichen Kissenschlacht zum Ort einer Fantasie- und Abenteuerreise mit ungewissem Ausgang. Alle dürfen in diesem buntscheckigen Märchen mitspielen, voran der jugendliche Betreuer, der für Ordnung in den Reihen der weißen Eisenbetten sorgen will, aber rasch vom Strudel der Ereignisse mitgerissen wird und den die Angst vor der durch die Kinderschar dargestellte Schlange auf seinem Bett festnagelt. (...) Gerade mal sieben Jahre nach der letzten Inszenierung der „Zauberflöte“ beginnt Intendant Thomas Münstermann erneut die Spielzeit des Pforzheimer Theaters mit einer Neuproduktion von Mozarts „großer Oper“, die auch in Pforzheim die Aufführungsstatistik anführt.

Das nur scheinbar so vordergründige Märchen, mit dem Mozart in seinem Todesjahr ein Testament des Humanismus verfasste, birgt so viele Tücken wie das gut geschmierte Vorstadttheater seines Mitarbeiters Schikaneder Falltüren hat. Mit diesen Theatertricks kommen Regisseur Thomas Münstermann und sein Ausstatter Thomas Mogendorf bestens zurecht, zaubern aus Papagenos Rucksack unversehens eine Leiter oder lassen daraus die punkige Papagena entsteigen, lassen bei Taminos zauberischen Flötentönen die Kinder, die als kleine Löwen Sarastros Thron und Prunkwagen ziehen, possierlich mit ihren Tiermasken wippen. Doch je gefasster sich Tamino, Pamina und Papageno ihren Prüfungen unterziehen, desto mehr verirrt sich die Aufführung zwischen den sechs wandelbaren Containerwänden mit ihren Urwaldansichten. (...)

Markus Huber entwickelt das Stück mit der Badischen Philharmonie in würdevoller Breite, in manchen Arien in einer vielleicht zu genüsslichen Bedeutsamkeit, immer auch gebremst durch die umständlichen szenischen Anschlüsse, dann aber auch in einer hinreißenden Intensität, etwa in Paminas „Ach, ich fühls“ oder der dramatisch dichten Quartett-Szene mit den beiden Geharnischten. Stamatia Gerothanasi war eine resolute Pamina mit kulleraugiger Präsenz und einem glutvollen Sopran, Elisandra Melián eine Papagena voll quecksilbriger Intensität und Verführungslust. Natasha Sallès verfügt als Königin zwar über die nadelspitze Bravour und Sicherheit ihrer Koloraturen, doch nicht die nötige Tiefe, wodurch die Figur kaum Format gewinnt. Würdevoll regierte Lukas Schmid als Sarastro. Dem Zögling Tamino blieb Dennis Marr als pianostiller Romantiker mit zögerlichem, leichtem, luftigen Tenor und kurzer Höhe die fürstliche Allüre schuldig, während Paul Jadach als Papageno sowieso alle Sympathien zufliegen. Bemerkenswert als Monostatos Philipp Werner, der auch dem ersten Geharnischten die ihm gebührende heldentenorale Standhaftigkeit verlieh. Neben dem unverwüstlichen Klaus Geber als Sprecher und den drei Damen Michaela Schneider, Danielle Rohr und Gabriele Zamfirescu haben sich die drei Knaben, in Pforzheim am Premierenabend drei Mädchen und ein Junge – Liliane Friedl, Swaantje Schwarzien, Laurin Gallenbach und Elias Hennig – Aufmerksamkeit ersungen.