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"Der Liebestrank" - Pressestimmen

Badische Neueste Nachrichten

Montag, 19. November 2018

(...) Die Satire auf Aberglauben und die Romanze von Nemorino und Adina, die schmollend und liebend im Dauerclinch liegen, hat Wolfgang Lachnitt am Theater Pforzheim so geschickt gemischt wie der angebliche Wunderdoktor Dulcamara seine Allheilmittelchen. Da ist es egal, ob Donizettis komische Oper im Baskenland spielt – oder irgendwo anders, wo Belcore als Südstaaten-Musketier auftaucht und Dulcamara auf einer Chaiselongue erscheint, überzogen von einem Hauch amerikanischer Musical-Nostalgie, in der die Dörfler aber Spaghetti statt Pommes gabeln. Christian Albert legt sich nicht fest, lässt die Arbeiter durch blühende Sonnenblumenreihen stapfen, hat herrliche Outfits für die Damen entworfen, und lässt das Spiel wie am Schnürchen laufen. Hier greifen die eng verschmolzenen Arien und Duette nahtlos ineinander, gut gearbeitet wie in einer klassischen Romanze, deren Ausgang bekannt ist, aber deren „wie“ spannend bleibt.

Doch zwischen Parodie und Satire schlägt das Herz von Donizettis Musik, das Lachnitt in der Beziehung der beiden Hauptfiguren ohne komödiantische Trickserei bloßlegt. Fast edel wirkt Nemorino, der von seiner Kavatine „Quanto è bella“ bis zur Romanze von der einzigen Träne geradezu unerschütterlich an seiner Liebe festhält und sein Leben an die Militärs verkauft, um eine zweite Flasche des Wundertranks zu erwerben.

Theodore Browne verlässt sich nach anfänglicher Steifheit in der tenoralen Übergangslage in der schwermütigen Eröffnung des ersten Finales „Adina credimi“ auf die Süße seines Timbres und beschwört Adina mit schön gebildeten Linien, sicherem Atem und subtiler Phrasierung in seiner Romanze derart intensiv, dass sie ihm wie ein Schatten folgt. Elisandra Meliáns Adina ist weniger kapriziös als bestimmt, koloraturleicht in den Höhen, doch etwas spitz und scharf, wo die Partitur ihr eine breite Mittellage zuweist. Die typische Soubrette ist die von Lachnitt zu einer durchgehenden Figur aufgewertete und von Natasha Sallés pfiffig gespielte Giannetta, die wie eine Klette an Belcore hängt. Paul Jadach fand im Sergeanten, der kleine Stoffherzen verschenkt, aber nur im Militär seine Erfüllung findet, eine seiner besten Partien, und Aleksandar Stefanoski sang den mit den Wünschen der Menschen handelnden Dulcamara mit entsprechendem Getöse. Am Pult der Badischen Philharmonie ließ Florian Erdl Sentimentalität und Leichtigkeit hinreichend zur Geltung kommen, so dass das Lustspiel zur zeitlosen Romantic Comedy geriet, von der sich das Publikum begeistern ließ als käme sie aus Hollywood. 

Pforzheimer Zeitung

Montag, 19. November 2018

Der Höhepunkt ereignet sich im letzten Drittel des zweiten Akts. Kapellmeister Florian Erdl hält im Theatergraben die Badische Philharmonie Pforzheim zu einer kleinen Pause an. Die sonst in hellem Licht erstrahlende Bühne wird dämmrig abgedunkelt. Dann erklingt, orchestral und von der Solo-Harfe einfühlsam begleitet, die Romanze „Una furtiva lagrima“ (Eine verstohlene Träne), die alle Opernfreunde kennen und lieben und auch alle Star-Tenöre in ihrem Repertoire haben. Theodore Browne, der Pforzheimer Darsteller des verliebten Bauernjungen Nemorino singt wunderschön mit lyrisch zartem Belcanto. Danach liegen sich das andächtig lauschende Premierenpublikum und der jugendliche Interpret bei anhaltendem Szenen-Applaus gleichsam in den Armen.

(...) Adina liest mit arios aufleuchtender Stimme ihren Bauern und Bäuerinnen, die mit wuchtig sich entfaltenden Chören Eindruck machen, als Abwechslungzur fröhlichen Erntearbeit aus der Geschichte des geheimnisvollen Tranks vor, den einst Tristan von einem Wundermann erhalten und so die stolze Isolde bezwungen hat. In dieser Funktion wird Quacksalber Dulcamara herbeigeschafft. Diesen Dottore gibt in Pforzheim Aleksandar Stefanoski als Bassbuffo im Parlando-Stil, imposant grün kostümiert wie ein wohlbeleibt gealterter Froschkönig aus dem Märchen. Er jubelt dem verzweifelten Nemorino für teures Geld billigen Bordeaux-Wein als Liebes-Elixier unter, das bald Wirkung zeigt und den schüchternen Jungen in einen stürmischen Liebhaber verwandelt.

Orchester, Chor und Vokalsolisten meistern unter Erdls Leitung die übersprudelnde Musik und ihre melodisch effektvollen Nummern mit gehöriger Verve. (...) Alles in allem gebührt der handwerklich soliden, vom Publikum gefeierten Aufführung uneingeschränkt das Prädikat „empfehlenswert“.