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Marlene - Pressestimmen

Badische Neueste Nachrichten

Donnerstag, 18. Mai 2017

Während draußen ein Frühsommertag zu Ende ging, kam im Foyer des Theaters Pforzheim etwas Nachtclub-Stimmung auf: Zwischen Bar und Flügel, zwischen rotem Samt und schwarzem Lack spürte die Schauspielerin Theresa Martini (Foto: Haymann) dem Mythos Marlene Dietrich nach. Der Programmtitel „Martini Meets Marlene“ verrät es: In Liedern, Erzählungen und kurzen Szenen versucht die Künstlerin nicht etwa, die Diva zu verkörpern, sondern nähert sich behutsam den Facetten einer Persönlichkeit, die glamouröser Vamp und Gör von nebenan, Entertainerin und Hausfrau, Truppenbetreuerin der Amerikaner, engagierte Pazifistin und vieles mehr war.

Michael Holder spielt am Flügel, Theresa Martini schlendert an den Tischen vorbei und beginnt, zunächst leise, „Lili Marleen“ zu singen. Im Zweiten Weltkrieg war es das Soldatenlied schlechthin. Joseph Goebbels ließ es 1942 wegen „wehrkraftzersetzender Wirkung“ verbieten, doch das Lied ging in vielen Übersetzungen um die Welt und einte als Ausdruck von Heimweh und Sehnsucht die Feinde. Marlene Dietrich sang „Lili Marleen“ auf Englisch in einem Rundfunksender für die Alliierten. Dabei unterbrach sie sich und rief auf Deutsch: „Jungs! Opfert euch nicht! Der Krieg ist doch Scheiße, Hitler ist ein Idiot.“ Das Lied sang sie dann auf Deutsch weiter.

Theresa Martini ist gekleidet, geschminkt und frisiert wie Marlene Dietrich, erzählt aber in der dritten Person und wahrt damit gebührenden Abstand zu der letztlich nicht zu fassenden Persönlichkeit. Auch die Songs trägt Martini in ihrem eigenen Stil vor, etwa das spröde mahnende „Sag mir, wo die Blumen sind“, das bittersüße „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ oder das wie alkoholisierte „One for My Baby“. Pianist Holder begleitet sie präzise, überzeugt mit gefühlvollen Soli und lässt sich in der Rolle des schüchternen Verehrers in manche Szene einbeziehen. (...) Das Publikum im ausverkauften Foyer dankte mit herzlichem Beifall.

Pforzheimer Zeitung

Donnerstag, 18. Mai 2017

Sie sang für die Soldaten im Zweiten Weltkrieg, liebte Männer und Frauen und blieb als Amerikanerin immer auch Deutsche – Marlene Dietrich. Um den „Blaue Engel“-Star der Zwanziger Jahre ranken sich Legenden und Mythen, von denen mancher Besucher im ausverkauften Foyer des Theaters Pforzheim vielleicht zum ersten Mal hört. Die Schauspielerin Theresa Martini erzählt sie mit Elan, nähert sich der „Dietrich“ in vielen Facetten und bleibt dabei doch ganz sie selbst.

(...) Die eher mädchenhaft wirkende Theresa Martini hat durchaus Charme und auch eine ausdrucksstarke Stimme, mit der sie bedeutende Lieder wie „Sag’ mir wo die Blumen sind“, „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ und den bis zur Zugabe aufgesparten Titel „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ zur Geltung bringt. (...)

Marlenes teils vibrierende Stimme versucht Martini bei dem übermütigen „Boys In The Backroom“ kurz nachzuahmen, kiekst und wirft als Theresa aber lieber den Hut weg – mit dem Kommentar: „Da geh’n immer die Pferde mit mir durch an dieser Stelle.“ In den tiefen Tönen kommt die Schauspielerin dem Original nahe, bei „Johnny“ etwa, mit dem sie zum zweiten Teil überleitet: Marlene als gefeierte Entertainerin.

Zuvor steht der Einsatz der Dietrich im Krieg in Vordergrund. Passend trägt Martini eine Soldatenkappe und braune Hose, kommt nachdenklich mit der „inoffiziellen Hymne des Zweiten Weltkriegs“ daher – „Lili Marleen“. Als Zeichen für den Frieden singt sie das Lied später noch mal mit dem Publikum. Viele Anekdoten weiß Theresa Martini über die „starke Verfechterin der Menschenrechte“ und „streng erzogene Soldatentochter“ zu erzählen, wie sie für die GIs tanzte und kochte, mit wem sie Affären hatte oder wie sie als Truppenbetreuerin von Front zu Front zog.

„Sie saß gerade im offenen Jeep, als sie von den Deutschen eingekesselt wurden“, erzählt die Schauspielerin. Einem General, „37, dunkelhaarig, gut aussehend“, verdankte Marlene ihre Rettung – worauf sie prompt eine Liebschaft mit ihm anfing. „Auch mit dem Oberst?“, will der Stuttgarter Pianist Michael Holder wissen, der das Programm einfühlsam und mit jazzigem Schwung begleitet. „Wie sollte ich, der war ja nie an der Front“, antwortet Martini als Marlene. So wechseln kurze Szenen mit Liedern und Streifzügen durchs Publikum.(...) Viel Applaus.