Inhalt

"Hurra, wir sind noch da!" - Pressestimmen

Pforzheimer Zeitung

Mittwoch, 5. Dezember 2018

(...) Auch musikalisch hatten die beiden Jahrzehnte einiges zu bieten: Disco, Schlager und Neue Deutsche Welle zum Beispiel. Songs, die originelle Titel trugen wie „Schön ist es auf der Welt zu sein“, „Skandal im Sperrbezirk“ oder „Immer wieder geht die Sonne auf“. Titel, aus denen Lilian Huynen und Klaus Geber unter dem Motto „Hurra, wir sind noch da“ ein quietschbuntes Konzert gemacht haben. (...) Stattdessen entführen die beiden Sänger mit Klaus Dusek am Kontrabass, Florian Schühle am Schlagzeug und Philipp Haag am Klavier im ausverkauften Foyer des Stadttheaters in eine Zeit „zwischen Flokati-Teppich und Fiesta Mexicana“, in der man Clogs, Leggins und Schulterposter trugen. Außerdem noch bunte Hosen, Afros, Vokuhila-Frisur (vorne kurz, hinten lang), geblümte Hemden und glitzernde Anzüge. (...) Und im Radio? Da gehörte er noch klar zu ihr, da herrschte unter „32-16-8“ Konjunktur die ganze Nacht, da wurde die Resi noch stilecht mit dem Traktor abgeholt und zur Steigerung des Bruttosozialprodukts schon mal kräftig in die Hände geklatscht. Abba sangen gut gelaunt von der „Dancing Queen“ und Udo Jürgens sozialkritisch vom ehrenwerten Haus.

Titel, die nicht nur damals gut ankamen: Es dauert nicht lange, bis das Publikum im Stadttheater kräftig mitklatscht, während Schlagzeuger Florian Schühle bei den „Kreuzberger Nächten“ fast vom Hocker fällt und Huynen mit ausladenden Bewegungen und südländischem Akzent erklärt: „Yes Sir, I Can Boogie“. Bei „Tränen lügen nicht“ fängt Geber an, zu summen, man fragt sich: Wo ist das Feuerzeug, wenn man es zum In-die-Luft-strecken braucht?

Es ist ein Parforceritt durch eine musikalische Epoche, in der Nina Hagen in der DDR in einem eigentlich als Parodie gemeinten Schlager über einen vergessenen Farbfilm sang, in der die Musiker von Karat mit „Über sieben Brücken musst du gehn“ den Song zur Wiedervereinigung lieferten, in der Lieder „Da Da Da“ heißen durften und es trotzdem auf Platz zwei der deutschen Single-Charts schafften.

Zwei Jahrzehnte voller Veränderungen und Umwälzungen packen die Schauspieler in 90 Minuten. Als die vorbei sind, folgen auf tosenden Beifall drei Zugaben. Eine davon: „Theater“ von Katja Ebstein. Zufall oder Selbstironie?
 

Badische Neueste Nachrichten

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Beim Nachfolgeprogramm der Kultveranstaltung „Ich halt’s nicht aus, ich muss raus!“ unternehmen Lilian Huynen und Klaus Geber eine musikalische Zeitreise in die 70er und 80er Jahre Deutschlands und präsentieren in „Hurra, wir sind noch da!“ Lieder, die einfach nicht aus der Mode kommen. (...)

Seit Juni dieses Jahres tüfteln die Beiden an dem Programm, haben mitunter mühsam die Noten für die einzelnen Lieder zusammengetragen und sich den Kopf über Outfits und Dekorationen zerbrochen. Die Arbeit hat sich gelohnt. Kurz nach 20 Uhr betritt Geber, ausgestattet mit „Vokuhila“-Toupet, Schlaghosen und lässig-buntem Hemd die Bühne. Gefolgt von Huynen, in einem langen Patchwork-Kleid und mit einer wilden rotbraunen Lockenperücke in Hippie-Optik ausgestattet. Ihre drei Begleitmusiker sind Klaus Dusek am Bass, Florian Schüle am Schlagzeug und Philipp Haag am Klavier, welcher zugleich auch die musikalische Leitung übernommen hat. 

Das Publikum ist von der ersten Sekunde an begeistert. Dies drückt sich jedoch weniger in wilden Tänzen aus, sondern vielmehr in einem andächtigen und träumerischen Lauschen der teilweise neu arrangierten Klassiker, nebst taktvoll wippenden Beinen. Ja, wenn Klaus Geber mit seiner schönen Baritonstimme „Du kannst nicht immer 17 sein“, von Chris Roberts intoniert, kann man schon mal ins Träumen geraten. Nicht nur, dass er es dabei stimmlich locker mit den Sängern von einst aufnehmen kann, zudem verleiht seine ruhige und doch leidenschaftliche Art die Lieder zu interpretieren, selbigen etwas Würdevolles. Die klassische Opernsängerin Huynen kann das ganze Potenzial ihrer Mezzosopran-Stimme vor allem in den kraftvollen, raumgreifenden Liedern entfalten. Bei „Ein bisschen Frieden“ von Nicole, lässt sie sich von Klaus Dusek galant um die Hüften greifen. Mit Schlagzeuger Florian Schüle teilt sie sich eine Flasche Sprudel und haut ihm neckisch gegen den Oberschenkel. (...)